Immer mehr Studierende, immer weniger Azubis – was ist Ursache, was ist Wirkung?

Wenn Sie in der frisch überarbeiteten Blogroll (rechte Spalte, oben) auf „DIHK“ klicken, stoßen Sie auf einen Artikel vom 28.07.2017, der eine Reihe von aktuellen Informationen bezüglich Akademisierungswahn, Azubi- und Fachkräftemangel enthält.

Insbesondere wird der stellvertretende DIHK-Hauptgeschäftsführer Achim Dercks erwähnt, der sich gegen falsche Schlussfolgerungen aus einer neuen Studie der Bertelsmann Stiftung wehrt:

„Die in der Untersuchung genannten Zahlen stimmen (…). Der erhobene Vorwurf, Unternehmen würden durch zu wenig Ausbildung Fachkräftemangel selbst verschulden, ist hingegen unhaltbar“, so Dercks. „Hier werden Ursache und Wirkung gründlich verkehrt.“

Dass Herr Dercks dagegenhält, wenn man die Schuld am numerischen Ungleichgewicht Azubis/Studierende den Ausbildungsbetrieben zuschiebt, finde ich völlig in Ordnung. Aber vielleicht ist das Problem nicht ein Verwechseln von Ursache und Wirkung, sondern die reflexhafte Suche nach einem kausalen Zusammenhang – dort, wo es ihn gar nicht gibt.

Anders gesagt: Wir haben mehrere Symptome, aber die Krankheitsursache liegt woanders.

Hier sind meine Thesen und Vorschläge zum gesamten Themenkomplex:

These 1:

Die Aktie Abitur ist total überbewertet – künstlich aufpoliertes Image bei permanentem Niveauverlust. Ohne zügige, drastische Maßnahmen wird es irgendwann auf dem Bildungs- und Arbeitsmarkt zum Crash kommen.

These 2:

Die Schulabgänger werden im Schnitt immer älter und weltfremder. Viele Abiturienten sind weder motiviert noch geeignet für eine Berufsausbildung; aus Verlegenheit beginnen sie ein Studium, für welches ihnen erst recht die Kompetenzen fehlen. Die Zahl der Azubis sinkt, die der Studierenden steigt.

Und nun zur Kernfrage: Immer mehr Studierende und Studienabbrecher, immer weniger Azubis und Fachkräfte – was ist Ursache, was ist Wirkung?

In der Statistik spricht man von Korrelation, wenn zwei Ereignisse häufig gemeinsam auftreten. Dass hierbei das eine die Ursache und das andere die Wirkung ist, kann sein, aber es muss nicht sein. Beispiel grippaler Infekt: Der Schnupfen ist nicht die Folge des Hustens oder umgekehrt. Der gemeinsame Grund beider Symptome ist die Infizierung des Organismus.

These 3:

Die Pervertierung des Abiturs (siehe These 1) ist die
Wurzel der beiden Übel
Akademisierungswahn und
Niedergang der dualen Ausbildung.

Lösungsvorschlag:

(a) Das Abitur ist in Zukunft nicht mehr Eintrittskarte zur Uni,
sondern lediglich höherer Schulabschluss.

(b) Künftige Voraussetzung für ein Hochschulstudium:
(Fach-)Abitur plus Gesellenbrief bzw. IHK-Abschluss.

< Zusätzliche Möglichkeit: duales Studium >

Das hierbei angestrebte Ziel:

  • nachlassende Glorifizierung des Abiturs
  • weniger Langzeitschüler und Studienabbrecher
  • mehr Motivation, Bodenhaftung und Kompetenz –
    an Schulen/Hochschulen und ebenso in den Betrieben.

Liebe Leserinnen und Leser, liebe Ausbilder, Lehrer, Schüler, Studierende und Eltern, ich freue mich auf Ihre konstruktiv-kritischen Kommentare.

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Milde Gaben, gilbe Maden

Wieviel ist 1 Prozent von 20.000 Euro? 200 Euro, richtig. Angenommen, der Fußballer Mats Hummels hat ein Netto-Einkommen von circa 20.000 Euro. Pro Tag. Dann sind es circa 200 Euro, die Herr Hummels ab sofort jeden Tag für wohltätige Zwecke spenden will. Seinen Entschluss hat er gerade der Welt per Twitter mitgeteilt und auch begründet:

„Ich habe das Gefühl, dass wir mehr machen können, um die steigenden Erträge im Fußball mit einem tieferen Sinn zu verbinden“.

Einige werden nun sagen, der tiefere Sinn dieser Fußballer-Aktion sei,

  • sich bei Millionen zahlender Fußballnarren einzuschmeicheln und
  • nebenbei das eigene Gewissen zu beruhigen.

Aber das sagen Leute, die so etwas noch nie erlebt haben: Plötzlich mit nur 19.800 Piepen am Tag auskommen zu müssen statt mit 20.000. Ein Symptom unserer Neidgesellschaft – arme Spießer, gelb vor Neid, die selbst heimlich spenden und sich dann darüber aufregen, dass ein sympathischer Multimillionär ganz offen über sein Ein-Prozent-Almosen spricht.

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In eigener Sache: Blogroll

Liebe Besucherinnen und Besucher meines Blogs,

die Stammgäste unter Ihnen haben es längst festgestellt, der Scheurer-Blog befindet sich in einer Phase des Umbruchs:

  • neues Motto: lernen-arbeiten-philosophieren (lap)
  • neuer Name: lap-land
  • zusätzliche rote Leiste mit Rubriken: Schule/Hochschule etc.

Das beste und ehrlichste Feedback zu allen Artikeln und Veränderungen in meinem Blog sind für mich die Besucher-Zahlen. Noch vor kurzem waren es 12.000 Besucher pro Monat auf meinen Websites. Mittlerweile sind es fast 17.000, Tendenz steigend.

Jetzt gibt es eine neue Blogroll an herausgehobener Stelle – Verweise zu Portalen und Blogs, die ich für bemerkenswert halte. Die Idee: Sie schauen rein bei lap-land.de wie bei Ihrem Stamm-Bistro. Und die Blogroll ist die Kuchentheke, ein Lesezeichen-Angebot.

Wenn Sie eine Idee für eine Blogroll-Ergänzung haben, schreiben Sie bitte einen kurzen Kommentar; Ihr Vorschlag kann dann weiter kommentiert, diskutiert und eventuell umgesetzt werden.

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Eine Schildkröte namens Gaia

Weltuntergang, Doomsday Clock, Ende der Menschheit – der ultimative Drei-Minuten-Crashkurs

 

Vor kurzem feierte die Riesenschildkröte Gaia ihren 135. Geburtstag. Es gab Erdbeeren mit Schlagsahne – Gaias Lieblingsdessert. Das Geburtstagskind war bester Laune und freute sich auf seine nächsten vierzig Lebensjahre.

Aber heute Morgen hatte der Cheftierarzt des Zoos eine schlechte Nachricht: Krebs im fortgeschrittenen Stadium. „Eine aggressive, bislang unbekannte Tumorart“, meinte der Doktor. „Nach unseren Berechnungen sind die ersten Tumorzellen erst vor etwa drei Tagen in Ihrem Körper aufgekreuzt, Gaia. Nach zwei Tagen, also gestern, waren es nicht mehr als ein paar Tausend. Aber gerade vor acht Minuten waren es bereits circa 500 Millionen, die Entwicklung geht rasant in Richtung 10 Milliarden.“

Der Veterinär sah die sanfte Trauer in Gaias Blick. „Ich kann Sie ein wenig beruhigen“, meinte er. „Von hundert Tumorzellen sind nur eine oder zwei bösartig. Naja, in der Summe sind das 50 bis 100 Millionen winzige Sausäcke in Ihrem Körper. Was aber viel entscheidender ist: Wir haben festgestellt, diese tumorösen Zellen – wir haben sie Homo sapiens getauft – scheinen ebenso intelligent wie verrückt zu sein.“

„Die Zeit zum Beispiel fließt für sie viel langsamer als für unsereins. Was für uns eine Sekunde ist, ist für die Tumorzellen ein ganzes Jahr; sie multiplizieren sozusagen die Zeit mit dem Faktor 60•60•24•365. Aus Sicht der Homo-sapiens-Zellen sind Sie eine 4,5 Milliarden Jahre alte Schildkröte.“

„Maßgebend für die Zellen ist vermutlich nur die Zeit ihrer eigenen Existenz; das sind circa 300.000 Homo-sapiens-Jahre, für Sie und mich nichts als eine Episode von drei Tagen. Und jetzt kommt’s: Diese Zellen sind in der Lage, sich selbst zu vernichten, und zwar vollständig.“

Der letzte Satz zauberte ein kleines Leuchten in Gaias Augen. Doch plötzlich begann sie, wild zu zucken und vor Schmerzen zu stöhnen. Ihr Panzer glühte. Einige Sekunden später war der Anfall vorbei. „Alles in Ordnung?“, fragte der Doktor. „Ich denke, ja“, entgegnete die große, immer noch schöne mittelalte Dame aus der Provinz Galápagos. „Wissen Sie, Doc, was sind schon drei schlechte Tage in einem großartigen Leben von mehr als hundert Jahren? Allerdings habe ich einen Wunsch: Ab sofort bitte jeden Tag Erdbeeren mit Schlagsahne“.

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In eigener Sache: Neues Layout, neue Rubriken

Um ehrlich zu sein, Leute, ich tue mich noch schwer mit dem veränderten Erscheinungsbild meines Blogs. Ja, ich weiß, alles ist gründlich bei uns im Team überdacht worden, das Für und Wider …

… und jetzt schreibe ich einfach einen Kommentar zu diesem Thema. Schließlich bin ich hier seit Jahren Stammgast 😎.

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Liber Papa ich wösche dir fil Schpas bei der apeit

… das ist der Aufmacher der gestrigen Ausgabe der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (FAS). Der liebevolle Spruch ist zu lesen auf einer schwarzen Tafel, geschrieben in Kinder-Druckschrift mit weißer Kreide.

Im zugehörigen Artikel beschreibt Florentine Fritzen detailliert den Status an deutschen Grundschulen bezüglich der Lehrmethode „Schreiben nach Gehör“. Bei dieser Methode stellt man den Schülern frei, wie sie schreiben. Fehler werden nicht korrigiert, um die Kinder nicht zu kränken – bis zum vierten (!) Schuljahr.

Als Folge davon machen deutsche Zehnjährige heute in einem deutschen Satz mit 26 Wörtern durchschnittlich vier Rechtschreibfehler. Über all das habe ich 2016 in meinem Buch „Zu viel Schule, zu dumm fürs Leben“ berichtet (vgl. ZvS-Inhaltsangabe). Mein Fazit (S. 161):

Unsere Schulen vernachlässigen ihr Kerngeschäft.

Die im FAS-Artikel aufgeführten Fakten lassen sich zusammenfassen zu einer guten und zwei schlechten Nachrichten:

(1) Gut ist: Im Jahr 2017 hören wir aus dem Munde eines deutschen Schulsenators Sätze wie „Rechtschreibung muss man echt üben“ (Ties Rabe, Hamburg) .

(2) Schlecht ist: Nicht alle 16 Schulminister vertreten diese Meinung. Es gibt kaum zwei Bundesländer, in denen nach denselben Richtlinien Rechtschreibung unterrichtet wird. Mal ist die umstrittene Methode verboten, mal gibt es „didaktische Freiheit“, in anderen Fällen einen Methodenmix. Natürlich schaut dabei der eine dem anderen über die Schulter, und man schreibt gelegentlich voneinander ab. Aber jedes Landes-Schulministerium achtet peinlich darauf, dass seine Lösung eine spezielle, unverwechselbare Genialität ausstrahlt. Andernfalls kämen womöglich Fragen auf: Wozu brauchen wir tausende Beamte in 16 Ministerien? Warum nicht ein einziges, wirklich gutes Schulsystem? So kocht jeder sein eigenes Süppchen, seit 60 Jahren.

(3) Schlecht ist ebenso: Die besagte Lehrmethode ist keineswegs neu; sie stammt aus den siebziger Jahren (!). Und bis im letzten Bundesland der ganze Spuk wieder vorbei ist, werden vermutlich weitere 30 bis 40 Jahre vergehen. So viel zum Thema Geschwindigkeit der griechischen Landschildkröte KMK (ZvS, S.186).

Aber seien wir nicht zu streng und pessimistisch. Das Glas ist nicht halbleer, es ist zu 30 Prozent voll 😎.

Im Übrigen bin ich der Meinung, dass alle 16 deutschen Landesministerien für Schule abgeschafft werden müssen (frei nach Cato: Ceterum censeo …).

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Witzableiter(11): Wie Jesus die deutschen Tugenden kennenlernte

Ein Ire, ein Däne und ein Deutscher stehen in der Kneipe. Die Tür geht auf, als neuer Gast tritt Jesus ein. „Ich heile durch Handauflegen“, verkündet er. Der Ire meldet sich als Erster: „Hier ist mein Tennisarm“. Jesus legt seine Hand auf den Arm. „Super“, sagt der Ire, „der Schmerz ist weg“. Nun ist der Däne dran. „Mach‘ mal meinen Nacken wieder ganz.“ Gesagt, getan. Jesus heilt durch Handauflegen auch den Dänen und dreht sich zum Deutschen um. Der wehrt sofort ab: „Pack‘ mich nicht an; ich bin noch sechs Wochen krankgeschrieben.“


Gefunden in: VET Impulse, 1. August 2017

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In eigener Sache: Neuer Blog-Name

Ab sofort trägt diese Blog-Seite die Überschrift „lap-land“. Das Kürzel lap steht für:

lernen • arbeiten • philosophieren.

Seit dem Start des Blogs am 2. Januar 2011 hat unter den Themen-Blöcken

(A) Projektkompetenz & Führung
(B) Philosophie-Kunst-Inspiration
(C) Politik-Gesellschaft-Sport
(D) Schule & Hochschule

der Block (D) immer mehr an Gewicht gewonnen; dies wird nun durch das Lernen im neuen Motto deutlich gemacht, vor allem für neue Blog-Besucher.

Gleich nach dem Lernen kommt das Arbeiten, womit die besondere Bedeutung der Berufsbildung und der Berufserfahrung hervorgehoben wird. Dass zudem weiterhin philosophiert wird auf dieser Blog-Seite, versteht sich von selbst.

P. S.: Der Dreiklang des neuen Mottos erinnert an eine Epikur-Sentenz, die ich sehr liebe:

Man muss gleichzeitig lachen und philosophieren
und sein Haus verwalten.

Also, nehmen Sie das Lachen mit ins lap-Land, denn wer viel lacht, lernt und arbeitet besser und leichter. Und wird nebenbei, ohne es zu merken, zum Philosophen 😎.

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Sokrates, Trump, Zuckerberg – es geht bergab

… im Alphabet und mit der Wahrheit.

 

Gestohlen wird immer. Aber erst der Hehler macht ein Geschäft daraus.

Gelogen wird immer. Zum „guten“ Deal wird die Lüge erst durch Leute und für Leute wie Mark Zuckerberg. Ist es vorstellbar, dass Donald Trump ohne Twitter, Facebook etc. Präsident der Vereinigten Staaten geworden wäre?

 

 

 

 

 

 

Die Zuckerbergs unserer über-vernetzten Welt weisen hierbei jeden Vorwurf zurück. Wer steht gern da als Hehler, Kollaborateur oder Kriegsgewinnler? Ja, es wird Krieg geführt im World Wide Web, und er fordert immer mehr Opfer.

Auch Tesla-Chef Elon Musk, einer der Vorreiter der Roboter-Entwicklung, ist einer von denen, die den Geist aus der Flasche geholt und dabei Milliardenbeträge kassiert haben. Jetzt warnt er vor den drohenden Folgen. In einem Merkur-Artikel heißt es:

Auch könnte eine in Netzwerken existierende künstliche Intelligenz zum Beispiel einen Krieg starten: „Durch Fake News, gefälschte E-Mail-Konten, falsche Pressemitteilungen und die Manipulation von Informationen.“

Immerhin, Herr Musk bemüht sich um Ehrlichkeit und Ehrenhaftigkeit.

 

Kennen Sie die Anekdote „Die drei Siebe des Sokrates“? Falls nicht: Sie finden die Geschichte beispielsweise auf der Website von Werner Stangl.

Dieser sokratische Dialog ist hilfreich für Journalisten und Wissenschaftler, für Politiker, Nachbarn und Klassenkameraden. Die Botschaft, kurz und bündig: Bevor Du redest, schreibst oder twitterst – über einen Dritten, der dazu nicht Stellung nehmen kann, stelle Dir selbst stets drei Fragen.

Ist das, was ich berichte, wahr?
Ist es gut – für den Empfänger der Nachricht, für den Dritten, für mich?
Ist es notwendig? Braucht die Welt diese Nachricht?

Die Pointe zum Schluss: Vermutlich ist die Geschichte von den drei Sieben selbst nicht wahr. Und Sokrates kann nicht mehr Stellung dazu nehmen.

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Bildquellen:

https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Mark_Zuckerberg_-_South_by_Southwest_2008_-_2.jpg
https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Donald_Trump_(32758233090).jpg
https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Socrates_HEAD.jpg

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Freundlichkeit

Maischberger-Talk zum G20-Gipfel: Aggression beginnt im Kopf

 

Hamburg 2017, G20-Gipfel: Eine gewalttätige Minderheit, die ihre Aktionen lange vorher systematisch vorbereitet hat, beherrscht die Berichterstattung in den Medien; 76.000 friedliche Demonstranten werden kaum wahrgenommen.

Und dann die Maischberger-Talkrunde zu diesem Thema. Zwei der sechs Teilnehmer sind schon zu Beginn der Sendung auf Krawall gebürstet. Sie zeigen keinen Hauch von Respekt oder Verständnis gegenüber dem jeweils anderen. Stattdessen Unterstellungen, Herabwürdigungen, persönliche Beleidigungen. Und noch Tage nach der Sendung sorgen sie für Schlagzeilen. Es wird nachgetreten – von der bekennend „sozialen“ Frau Ditfurth und dem notorisch „netten“ Herrn Bosbach.

In meinem Buch „Zu viel Schule, zu dumm fürs Leben“ gibt es ein Kapitel über Freundlichkeit. Warum? Weil ich finde, dass Aggression im Kopf beginnt. Und dass jeder junge Mensch lernen kann, freundlich zu sein – von seinen Eltern, seinen Lehrern oder von Teilnehmern einer TV-Gesprächsrunde.

In dem besagten Kapitel wird die Projektphilosophie-Uhr erwähnt, die ich vor einigen Jahren zusammen mit meinen Schülern entwickelt habe. Zwölf Tugenden werden dabei in Form eines Ziffernblatts aufgelistet, und nicht ohne Grund ist „freundlich“ die Nummer Eins. Denn dieses Merkmal wird am häufigsten von Schülern genannt, wenn man sie fragt, was eine gute Lehrerin oder einen guten Lehrer ausmacht.

Von Laotse sind die folgenden drei Sätze überliefert:

Freundlichkeit in Worten schafft Vertrauen. Freundlichkeit im Denken schafft Tiefe. Freundlichkeit im Geben schafft Liebe.

Ob Frau Ditfurth und Herr Bosbach dieses Zitat kennen?

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Melbourne oder Mallorca – Hauptsache Australien

Die tz München hat über fünfzig „legendäre Fußballsprüche“ gesammelt. Die Nummer Eins kennt jeder Fußballnarr und auch jeder Fußballverächter:

„Mailand oder Madrid – Hauptsache Italien“.

Der Spruch wird Andi Möller zugeschrieben. Als er noch aktiv war, hatten Fußballer selten Abitur und wenig Ahnung von Geographie. Wir haben die Sprüche nicht so ernst genommen, Hauptsache Weltmeisterschaft.

Heute hören wir Sprüche von jungen Leuten, die Abitur und trotzdem keinen Schimmer von Geographie haben. Nicht nur die Sprüche, auch das deutsche Abitur nimmt kaum noch jemand ernst. Und was macht ein Abiturient im Jahr 2017, um zu vergessen, wie wenig sein „Reifezeugnis“ noch wert ist, weil 500.000 andere es auch bekommen haben? Na klar, Australien.

Kürzlich erzählte mir ein Bekannter von seinem Ältesten, der nach dem Abi mit ein paar Freunden in Down Under unterwegs war. Während er sich für den Königsweg entschieden hatte, nämlich eine kaufmännische Ausbildung in einem großen Unternehmen, wollten die anderen „erstmal“ studieren.

Nun kam ein Anruf des Juniors: „Ich bin heilfroh, dass ich mir den Azubi-Job erkämpft habe. Meine Kumpels sind nicht so gut drauf. Sie haben festgestellt, dass sie für ihr Studium noch fristgerecht Formulare der Hochschule Osnabrück oder Pusemuckel ausfüllen müssen – nicht online, sondern vor Ort. Doof, wenn man dann in Melbourne im Pub sitzt“.

Australien oder Osnabrück – Hauptsache, noch ein paar Jahre ohne Arbeit im Betrieb. Mamis oder Papis Geldbeutel wird’s schon richten.

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Was ist Kultur? Was bedeutet Zivilisation?

Als Teenager wurde ich Fan der „Kulturgeschichte der Menschheit“ von Will Durant, die damals gerade in einer deutschen Übersetzung herauskam. Zum Geburtstag oder zu Weihnachten bekam ich jeweils einen neuen Band von meinen Eltern geschenkt und stellte schnell fest: Das kann man nicht so nebenbei lesen.

Ich beruhigte mich mit dem Gedanken: Wenn ich mal alt bin, lese ich alle Bände von A bis Z. Jetzt bin ich alt, also habe ich bei Band 1 angefangen: „Das Vermächtnis des Ostens“. Die drei ersten Sätze lauten:

Kultur (im Original: civilization) ist soziale Ordnung, welche schöpferische Tätigkeit begünstigt. Vier Elemente setzen sie zusammen: wirtschaftliche Vorsorge, politische Organisation, moralische Traditionen und das Streben nach Wissen und Kunst. Sie beginnt, wo Chaos und Unsicherheit enden.

Aber wie soll man Barbaren des 21. Jahrhunderts Zivilisation erklären? Dumpfbacken z. B., die im Zweistromland, dem heutigen Irak, jahrtausendealte Baudenkmäler zerstören. Vermutlich haben sie nie von den Sumerern gehört, die einmal dort gelebt und die Keilschrift erfunden haben. Sie ist zwei- bis viermal (!) so alt wie die „Heiligen Schriften“ der Juden, Christen und Muslime, auf welche so viele Wirrköpfe sich heute berufen. Und weil sie niemals Bücher wie die von Durant lesen, wissen sie nicht, dass manches „Neue“ aus älteren Texten abgeschrieben wurde.

Will Durant hat uns ein gewaltiges Werk hinterlassen. Es war das Projekt seines Lebens. Was ich als Teenager noch nicht wusste: Durant war kein Geschichtsprofessor, sondern Journalist, Lehrer und Philosoph. Und er war ein guter Schreiber, wie allein die folgenden Zeilen über Ägypten zeigen:

… noch heute verkünden öffentliche Ausrufer jeden Morgen in den Straßen Kairos das Zunehmen des Nils. So fließt die Vergangenheit in der stillen Ewigkeit dieses Stromes in die Zukunft über und berührt auf ihrem Wege leicht die Gegenwart. Nur die Historiker machen Einteilungen; die Zeit macht keine.

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200 Mio. Dollar für den Königsweg

Trump führt duale Berufsausbildung nach deutschem Vorbild ein

Der SPIEGEL berichtet, dass der US-Präsident die Berufsausbildung in seinem Land reformieren will. Er „ließ sich möglicherweise von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) vom Dualen System überzeugen“, heißt es dort.

In meinem Artikel „Schön, Frau Merkel …“ habe ich bereits im März das Treffen der Kanzlerin mit Trump kommentiert, bei dem es um dieses Thema ging. Ebenso die Tatsache, dass Trumps Vorgänger Obama schon 2013 die deutsche Berufsausbildung öffentlich gelobt hatte – nachzulesen in Zu viel Schule, zu dumm fürs Leben.

Erneut stellt sich die Frage: Wenn die USA, Spanien und weitere Länder die Weichen in Richtung Königsweg stellen, wieso gehen wir in Deutschland nun seit Jahren in die falsche Richtung? Schämen wir uns dafür, dass wir vor Jahrzehnten schon richtig lagen?

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Zu viel Schule – der Song

… für Leute, die nicht viel Zeit haben.

 

Hier ist das neue YouTube-Video, ca. 2 Minuten, der Song zum Buch – Welturaufführung 😎.

Ein kurzer Ausschnitt aus meiner Autorenlesung in Bad Neuenahr:

 

 

Ausführlichere Versionen gibt es auf meinem YouTube-Kanal BMS.

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Sind wir Menschen noch zu retten?

Die Antwort gleich vorweg: nein. Denn das geht gar nicht.

Keine einzige der unglaublich zahlreichen Pflanzen- und Tierarten auf dem Planeten Erde lässt sich für immer „retten“. Auch das System Mensch nicht. In wenigen Milliarden Jahren wird Leben auf der Erde unmöglich sein, weil die Sonnenstrahlung dann zu stark geworden ist.

Wenn wir unseren Blick weiten und unbefangen Zeit und Raum betrachten, wird alles ganz klar und einfach: Jeder einzelne Mensch ist sterblich, und die Gattung Mensch wird eines Tages aufhören zu existieren.

Schon das Wort Lebensrettung ist falsch. Es ist eine Beschönigung und zeigt, wie sehr wir uns gegen die Tatsache der Sterblichkeit aufbäumen. Wenn ein Mensch vor dem Ertrinken gerettet wird, ist das eine bewegende, großartige Geschichte. Aber das Leben dieses Menschen wird nur verlängert, nicht gerettet.

Je mehr ich über diese Dinge nachdenke, desto geringer wird die Angst und desto größer die Gelassenheit. Ich begreife, ich bin nicht so wichtig. Und all die anderen auch nicht. Es geht nicht die Welt unter, wenn der Homo sapiens ausstirbt. Und das wird möglicherweise schon bald der Fall sein (–> Wirtschaftswoche: „Das Ende der Menschheit ist nah“ / Nasa-Studie, –> Stern / Stephen Hawking).

Was folgt aus all dem? Carpe diem. Ein Apfelbäumchen pflanzen. Nett zu seinen Freunden, Lebenspartnern und Kindern sein. Projekte machen. Das Leben und die Menschen lieben lernen. Sterben lernen.

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