Sokrates, Trump, Zuckerberg – es geht bergab

… im Alphabet und mit der Wahrheit.

 

Gestohlen wird immer. Aber erst der Hehler macht ein Geschäft daraus.

Gelogen wird immer. Zum „guten“ Deal wird die Lüge erst durch Leute und für Leute wie Mark Zuckerberg. Ist es vorstellbar, dass Donald Trump ohne Twitter, Facebook etc. Präsident der Vereinigten Staaten geworden wäre?

 

 

 

 

 

 

Die Zuckerbergs unserer über-vernetzten Welt weisen hierbei jeden Vorwurf zurück. Wer steht gern da als Hehler, Kollaborateur oder Kriegsgewinnler? Ja, es wird Krieg geführt im World Wide Web, und er fordert immer mehr Opfer.

Auch Tesla-Chef Elon Musk, einer der Vorreiter der Roboter-Entwicklung, ist einer von denen, die den Geist aus der Flasche geholt und dabei Milliardenbeträge kassiert haben. Jetzt warnt er vor den drohenden Folgen. In einem Merkur-Artikel heißt es:

Auch könnte eine in Netzwerken existierende künstliche Intelligenz zum Beispiel einen Krieg starten: „Durch Fake News, gefälschte E-Mail-Konten, falsche Pressemitteilungen und die Manipulation von Informationen.“

Immerhin, Herr Musk bemüht sich um Ehrlichkeit und Ehrenhaftigkeit.

 

Kennen Sie die Anekdote „Die drei Siebe des Sokrates“? Falls nicht: Sie finden die Geschichte beispielsweise auf der Website von Werner Stangl.

Dieser sokratische Dialog ist hilfreich für Journalisten und Wissenschaftler, für Politiker, Nachbarn und Klassenkameraden. Die Botschaft, kurz und bündig: Bevor Du redest, schreibst oder twitterst – über einen Dritten, der dazu nicht Stellung nehmen kann, stelle Dir selbst stets drei Fragen.

Ist das, was ich berichte, wahr?
Ist es gut – für den Empfänger der Nachricht, für den Dritten, für mich?
Ist es notwendig? Braucht die Welt diese Nachricht?

Die Pointe zum Schluss: Vermutlich ist die Geschichte von den drei Sieben selbst nicht wahr. Und Sokrates kann nicht mehr Stellung dazu nehmen.

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Bildquellen:

https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Mark_Zuckerberg_-_South_by_Southwest_2008_-_2.jpg
https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Donald_Trump_(32758233090).jpg
https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Socrates_HEAD.jpg

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Freundlichkeit

Maischberger-Talk zum G20-Gipfel: Aggression beginnt im Kopf

 

Hamburg 2017, G20-Gipfel: Eine gewalttätige Minderheit, die ihre Aktionen lange vorher systematisch vorbereitet hat, beherrscht die Berichterstattung in den Medien; 76.000 friedliche Demonstranten werden kaum wahrgenommen.

Und dann die Maischberger-Talkrunde zu diesem Thema. Zwei der sechs Teilnehmer sind schon zu Beginn der Sendung auf Krawall gebürstet. Sie zeigen keinen Hauch von Respekt oder Verständnis gegenüber dem jeweils anderen. Stattdessen Unterstellungen, Herabwürdigungen, persönliche Beleidigungen. Und noch Tage nach der Sendung sorgen sie für Schlagzeilen. Es wird nachgetreten – von der bekennend „sozialen“ Frau Ditfurth und dem notorisch „netten“ Herrn Bosbach.

In meinem Buch „Zu viel Schule, zu dumm fürs Leben“ gibt es ein Kapitel über Freundlichkeit. Warum? Weil ich finde, dass Aggression im Kopf beginnt. Und dass jeder junge Mensch lernen kann, freundlich zu sein – von seinen Eltern, seinen Lehrern oder von Teilnehmern einer TV-Gesprächsrunde.

In dem besagten Kapitel wird die Projektphilosophie-Uhr erwähnt, die ich vor einigen Jahren zusammen mit meinen Schülern entwickelt habe. Zwölf Tugenden werden dabei in Form eines Ziffernblatts aufgelistet, und nicht ohne Grund ist „freundlich“ die Nummer Eins. Denn dieses Merkmal wird am häufigsten von Schülern genannt, wenn man sie fragt, was eine gute Lehrerin oder einen guten Lehrer ausmacht.

Von Laotse sind die folgenden drei Sätze überliefert:

Freundlichkeit in Worten schafft Vertrauen. Freundlichkeit im Denken schafft Tiefe. Freundlichkeit im Geben schafft Liebe.

Ob Frau Ditfurth und Herr Bosbach dieses Zitat kennen?

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Melbourne oder Mallorca – Hauptsache Australien

Die tz München hat über fünfzig „legendäre Fußballsprüche“ gesammelt. Die Nummer Eins kennt jeder Fußballnarr und auch jeder Fußballverächter:

„Mailand oder Madrid – Hauptsache Italien“.

Der Spruch wird Andi Möller zugeschrieben. Als er noch aktiv war, hatten Fußballer selten Abitur und wenig Ahnung von Geographie. Wir haben die Sprüche nicht so ernst genommen, Hauptsache Weltmeisterschaft.

Heute hören wir Sprüche von jungen Leuten, die Abitur und trotzdem keinen Schimmer von Geographie haben. Nicht nur die Sprüche, auch das deutsche Abitur nimmt kaum noch jemand ernst. Und was macht ein Abiturient im Jahr 2017, um zu vergessen, wie wenig sein „Reifezeugnis“ noch wert ist, weil 500.000 andere es auch bekommen haben? Na klar, Australien.

Kürzlich erzählte mir ein Bekannter von seinem Ältesten, der nach dem Abi mit ein paar Freunden in Down Under unterwegs war. Während er sich für den Königsweg entschieden hatte, nämlich eine kaufmännische Ausbildung in einem großen Unternehmen, wollten die anderen „erstmal“ studieren.

Nun kam ein Anruf des Juniors: „Ich bin heilfroh, dass ich mir den Azubi-Job erkämpft habe. Meine Kumpels sind nicht so gut drauf. Sie haben festgestellt, dass sie für ihr Studium noch fristgerecht Formulare der Hochschule Osnabrück oder Pusemuckel ausfüllen müssen – nicht online, sondern vor Ort. Doof, wenn man dann in Melbourne im Pub sitzt“.

Australien oder Osnabrück – Hauptsache, noch ein paar Jahre ohne Arbeit im Betrieb. Mamis oder Papis Geldbeutel wird’s schon richten.

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Was ist Kultur? Was bedeutet Zivilisation?

Als Teenager wurde ich Fan der „Kulturgeschichte der Menschheit“ von Will Durant, die damals gerade in einer deutschen Übersetzung herauskam. Zum Geburtstag oder zu Weihnachten bekam ich jeweils einen neuen Band von meinen Eltern geschenkt und stellte schnell fest: Das kann man nicht so nebenbei lesen.

Ich beruhigte mich mit dem Gedanken: Wenn ich mal alt bin, lese ich alle Bände von A bis Z. Jetzt bin ich alt, also habe ich bei Band 1 angefangen: „Das Vermächtnis des Ostens“. Die drei ersten Sätze lauten:

Kultur (im Original: civilization) ist soziale Ordnung, welche schöpferische Tätigkeit begünstigt. Vier Elemente setzen sie zusammen: wirtschaftliche Vorsorge, politische Organisation, moralische Traditionen und das Streben nach Wissen und Kunst. Sie beginnt, wo Chaos und Unsicherheit enden.

Aber wie soll man Barbaren des 21. Jahrhunderts Zivilisation erklären? Dumpfbacken z. B., die im Zweistromland, dem heutigen Irak, jahrtausendealte Baudenkmäler zerstören. Vermutlich haben sie nie von den Sumerern gehört, die einmal dort gelebt und die Keilschrift erfunden haben. Sie ist zwei- bis viermal (!) so alt wie die „Heiligen Schriften“ der Juden, Christen und Muslime, auf welche so viele Wirrköpfe sich heute berufen. Und weil sie niemals Bücher wie die von Durant lesen, wissen sie nicht, dass manches „Neue“ aus älteren Texten abgeschrieben wurde.

Will Durant hat uns ein gewaltiges Werk hinterlassen. Es war das Projekt seines Lebens. Was ich als Teenager noch nicht wusste: Durant war kein Geschichtsprofessor, sondern Journalist, Lehrer und Philosoph. Und er war ein guter Schreiber, wie allein die folgenden Zeilen über Ägypten zeigen:

… noch heute verkünden öffentliche Ausrufer jeden Morgen in den Straßen Kairos das Zunehmen des Nils. So fließt die Vergangenheit in der stillen Ewigkeit dieses Stromes in die Zukunft über und berührt auf ihrem Wege leicht die Gegenwart. Nur die Historiker machen Einteilungen; die Zeit macht keine.

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200 Mio. Dollar für den Königsweg

Trump führt duale Berufsausbildung nach deutschem Vorbild ein

Der SPIEGEL berichtet, dass der US-Präsident die Berufsausbildung in seinem Land reformieren will. Er „ließ sich möglicherweise von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) vom Dualen System überzeugen“, heißt es dort.

In meinem Artikel „Schön, Frau Merkel …“ habe ich bereits im März das Treffen der Kanzlerin mit Trump kommentiert, bei dem es um dieses Thema ging. Ebenso die Tatsache, dass Trumps Vorgänger Obama schon 2013 die deutsche Berufsausbildung öffentlich gelobt hatte – nachzulesen in Zu viel Schule, zu dumm fürs Leben.

Erneut stellt sich die Frage: Wenn die USA, Spanien und weitere Länder die Weichen in Richtung Königsweg stellen, wieso gehen wir in Deutschland nun seit Jahren in die falsche Richtung? Schämen wir uns dafür, dass wir vor Jahrzehnten schon richtig lagen?

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Zu viel Schule – der Song

… für Leute, die nicht viel Zeit haben.

 

Hier ist das neue YouTube-Video, ca. 2 Minuten, der Song zum Buch – Welturaufführung 😎.

Ein kurzer Ausschnitt aus meiner Autorenlesung in Bad Neuenahr:

 

 

Ausführlichere Versionen gibt es auf meinem YouTube-Kanal BMS.

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Sind wir Menschen noch zu retten?

Die Antwort gleich vorweg: nein. Denn das geht gar nicht.

Keine einzige der unglaublich zahlreichen Pflanzen- und Tierarten auf dem Planeten Erde lässt sich für immer „retten“. Auch das System Mensch nicht. In wenigen Milliarden Jahren wird Leben auf der Erde unmöglich sein, weil die Sonnenstrahlung dann zu stark geworden ist.

Wenn wir unseren Blick weiten und unbefangen Zeit und Raum betrachten, wird alles ganz klar und einfach: Jeder einzelne Mensch ist sterblich, und die Gattung Mensch wird eines Tages aufhören zu existieren.

Schon das Wort Lebensrettung ist falsch. Es ist eine Beschönigung und zeigt, wie sehr wir uns gegen die Tatsache der Sterblichkeit aufbäumen. Wenn ein Mensch vor dem Ertrinken gerettet wird, ist das eine bewegende, großartige Geschichte. Aber das Leben dieses Menschen wird nur verlängert, nicht gerettet.

Je mehr ich über diese Dinge nachdenke, desto geringer wird die Angst und desto größer die Gelassenheit. Ich begreife, ich bin nicht so wichtig. Und all die anderen auch nicht. Es geht nicht die Welt unter, wenn der Homo sapiens ausstirbt. Und das wird möglicherweise schon bald der Fall sein (–> Wirtschaftswoche: „Das Ende der Menschheit ist nah“ / Nasa-Studie, –> Stern / Stephen Hawking).

Was folgt aus all dem? Carpe diem. Ein Apfelbäumchen pflanzen. Nett zu seinen Freunden, Lebenspartnern und Kindern sein. Projekte machen. Das Leben und die Menschen lieben lernen. Sterben lernen.

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Witzableiter(10): Fake News

Stürzt ein Mann zum Psychiater rein: „Herr Doktor, überall Schmetterlinge, lauter Schmetterlinge“, ruft er und wedelt mit den Armen. „Doch nicht alle zu mir rüber!“ wedelt der Doktor zurück.


Eike Christian Hirsch: „Der Witzableiter oder Schule des Gelächters“, S. 118
–> Witzableiter(1)

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Raus aus der Schule – rein ins echte Leben …

… das war das Motto bei der Verleihung des Deutschen Schulpreises 2017 durch die Kanzlerin vor zwei Tagen (–> bundesregierung.de).

Ich musste schmunzeln, als ich diesen Slogan las. Er ähnelt auffallend dem Titel meines letzten Buchs: Zu viel Schule, zu dumm fürs Leben. Natürlich kommt die Formulierung von Frau Merkel freundlicher rüber; sie ist Politikerin und weist den Weg in eine goldene Zukunft, ähnlich wie damals Helmut Kohl mit seiner Verheißung der blühenden Landschaften. Ich sage: abwarten. Einen Preis verleihen an eine erstklassige Schule ist die eine Sache, das systematische Neugestalten aller anderen zigtausend Schulen in Deutschland eine ganz andere.

Im vorigen Jahr war ich beim Formulieren von Titel und Thesen meines neuen Buchs nicht allzu zimperlich. Ich habe schonungslos die gegenwärtige Situation an den meisten deutschen Schulen beschrieben. Aber mein Ziel war stets eine künftige Verbesserung des deutschen Schulsystems – wozu ich konkrete Vorschläge gemacht habe.

Und jetzt freue ich mich über die Auszeichnung einer berufsbildenden (!) Schule, der Elisabeth-Selbert-Schule (ESS) in Hameln, als beste Schule in Deutschland (–> BILD-Artikel, 29.5.2017).

Lesen Sie den Artikel! An der ESS Hameln wird Fairness und Teamgeist praktiziert. Es werden Projekte gemacht, um Brücken von der Schule zum Berufsleben zu schlagen. In Hameln hat die Zukunft schon begonnen.

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Opium

Kraft und Löhrmann schmieren ab mit ihrer NRW-Bildungspolitik

 

„Abitur für alle“, das ist ungefähr so sinnvoll wie „Porsche für alle“. Klar, jeder hat jetzt eine Karre vor der Tür, wo Porsche draufsteht. Sieht auch aus wie ein Porsche. Aber unter der Motorhaube knattert ein Zweitakter, das Getriebe hat einen Vorwärts- und vier Rückwärtsgänge, und das Ding klingt und stinkt wie ein Moped. Es ist ein Moped.

Irgendwann haben es die Wähler an Rhein und Ruhr gemerkt: Schule in NRW, das läuft seit Jahren wie geschmiert, nur in die falsche Richtung. Immer mehr Abiturienten, immer bessere Noten, immer weniger Wissen, Lernfreude, Erkenntnis.

Bei der NRW-Wahl am vergangenen Sonntag gab es nun eine Klatsche für Frau Kraft („Wir lassen kein Kind zurück“) und Frau Löhrmann („Wir wollten in unseren Schulen einiges nach vorn bringen, aber damit waren viele wohl überfordert“). Nein, Frau Löhrmann, Sie waren überfordert mit Ihrem Job. Von Anfang an. Und Sie haben es immer noch nicht begriffen.

Abitur für alle ist Opium fürs Volk.

Wer anderen harte Drogen besorgt, muss aufpassen, dass er das Zeug nicht irgendwann selber nimmt. Nach dem Rausch kommt der harte Aufschlag auf dem Boden der Tatsachen. Die Wählerschaft von Frau Kraft ist um circa ein Fünftel geschrumpft, die von Frau Löhrmann um fast die Hälfte.

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Was ist Dein Projekt, Martin?

Daniel Günther hatte ein Projekt: Sturz der Landesregierung in Kiel. Und er hatte Glück. Sein Gegner Torsten Albig redete sich in einem Interview mit der Regenbogenpresse um Kopf und Kragen.

Die Herren Laschet und Lindner haben ein ähnliches Projekt in NRW. Auch sie könnten gewinnen – wegen der Fehler von Frau Kraft.

Und Martin Schulz? Er hatte einen fulminanten Start im Januar. Es klang überzeugend, als er sagte: Ich will Bundeskanzler werden. Aber Angela Merkel ist nicht Kraft oder Albig, sie macht zur Zeit kaum Fehler.

Was Schulz braucht, ist ein neues Projekt. Zum Beispiel ein kompaktes, handlungsfähiges Mitteleuropa nach dem Brexit. Die Gerechtigkeit wird’s nicht bringen – sie gehört zu den Wurzeln der SPD, und das zielt in die Vergangenheit. Ein „proiectum“ ist etwas, das „nach vorn geworfen“ wird. Die Wähler wollen wissen, wie es weitergeht – in Deutschland und Europa. Bestes Beispiel: die Friedenspolitik von Willy Brandt.

Bis zum 24. September ist noch ein wenig Zeit. Nach Kiel und Düsseldorf kommt Berlin. Und stets gilt der Spruch:

Sage mir, was Dein Projekt ist,
und ich sage Dir, wer Du bist.

 

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Wahljahr 2017: Wer schafft endlich die 16 Landes-Schulministerien ab …

… und macht Bildungs-Nägel mit Köpfen?

 

Die Lobby ist groß, die Lobby ist mächtig. Das gilt für die Pharma-, die Automobilindustrie … und für die Bildungsindustrie.

Nur, während inzwischen dem letzten Deppen klar geworden ist, dass immer mehr Autos und Pillen uns nicht glücklicher machen, ist es beim Thema Bildung völlig anders. Nur wenige unter den Eltern/Abiturienten/Studierenden scheinen begriffen zu haben (wegen mangelnder Bildung?), dass unsere sechzehn deutschen Länder-Bildungssysteme insgesamt eine Effizienz erreichen, die ungefähr einem Sechzehntel von dem entspricht, was ein einziges Bundes-Bildungssystem – kompakt, gerecht, aus einem Guss – leisten könnte.

Diese zig Millionen Eltern/Abiturienten/Studenten sind alle wahlberechtigt im Wahljahr 2017. Aber nichts passiert. Schweigen der Lämmer. Diese Lämmer haben genug zu tun mit Burka-Gedöns und drohendem Korea-Nuklearkrieg. Tut mir leid, Freunde, aber ich lasse mich nicht so schnell ablenken. Ich stelle die Frage: Welche deutsche Partei fordert in ihrem Wahlprogramm ein Ende des Bildungsföderalismus?

Es wird sie wohl noch weitere 68 Jahre geben – die Kulturhoheit der Länder, diesen Unforced Error in unserer Verfassung, der immer mehr Milliarden verschlingt und immer weniger Bildungsgerechtigkeit schafft.

Auch der aktuelle SPIEGEL-Titel „Glücksspiel ABITUR“ wird daran nichts ändern. Zu viele Lämmer. Keine Partei hat den Mumm, sich mit dem Kartell der Bildungsbeamten und Schulbürokraten anzulegen. Was für jedes Spielkasino gilt, ist auch die Regel Nr. 1 im Bildungs-Roulette:

Die Bank gewinnt immer.

Na, dann weiterhin viel Spaß beim Spielen. Und beim Schweigen.

 

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Offener Brief an Martin Schulz

Bad Neuenahr, 24. April 2017

 

1. Warum ich in die SPD eingetreten bin

2. Königsweg statt Abiturwahn (FOCUS-Online: „Kostenlose Bildung. Schulz-Plan würde Deutschland fünf Milliarden im Jahr kosten“, 14.04.2017)

 

Lieber Martin,

vor gut sieben Wochen bin ich zusammen mit meiner Frau in die SPD eingetreten. Für mich war es kein Neubeginn. In der Willy-Brandt-Zeit war ich Juso-Chef in Bergheim/Erft. Irgendwann bin ich aus der SPD ausgetreten. Es war nicht mehr meine Partei.

Dass ich jetzt wieder mitmache, hat in erster Linie etwas mit Dir zu tun. Aber auch damit, dass mein Vater Sozialdemokrat war, ebenso mein Großvater Kaspar Scheurer, der vor fast hundert Jahren als Kölner Fabrikarbeiter in Berlin dabei war, als Philipp Scheidemann die deutsche Republik ausrief.

Und nun zur aktuellen Lage. Die SPD steht für Gerechtigkeit – das ist der Kern Deiner Botschaft. Aber „kostenlose Bildung“ von der Kita bis zur Uni (laut FOCUS, 14.04.2017) – das ist nicht gerecht, das ist Mumpitz. Gebührenfreie Kitas sind für mich in Ordnung. Aber die Kosten bleiben; für sie kommt dann halt der Steuerzahler auf, wie bei den Schulen und Unis. Für 11 Millio­nen Schüler und mittlerweile fast 3 Millionen (!) Studie­rende sind rund 100 Milliar­den Euro jährlich zu erwirtschaften – auch z. B. von Zwanzigjährigen, die nicht von Beruf Schüler sind, sondern Tischler oder Metallbauer. Solche Leute mit Gesellenbrief führe ich als Mathematiklehrer in neun Monaten (!) zum Fachabitur. Von allen Schülern und Studenten, die ich je unterrichtet habe, sind sie die besten – menschlich und fachlich.

Du bist diesen Königsweg gegangen, Martin: früher Einstieg ins Berufsleben und dann gezielte Fortbildung – über IHK oder Fachoberschule / Hochschule. Ich wünsche mir eine SPD, die den Abiturwahn been­det und dadurch 15 Milliarden Euro pro Jahr einspart, statt weitere Milliarden zu ver­geuden für Langzeitschüler, die mit zwanzig immer noch nicht richtig lesen, schreiben und rechnen können. Einen Teil des Ersparten könnte man sinnvoll reinvestieren. Wie das zu machen ist, steht in meinem Buch „Zu viel Schule, zu dumm fürs Leben“. Ein Exemplar davon müsste inzwi­schen bei Dir gelandet sein. Da Du momentan wenig Zeit hast: Auf YouTube gibt’s eine Kurzfassung.

Herzliche Grüße aus Bad Neuenahr

Bernhard

 

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Bertrand Russell: Denken ist umstürzlerisch

Vor ein paar Tagen stieß ich auf das folgende Zitat, das seit vielen Jahren zu meiner Sammlung von Sprüchen und Aphorismen gehört:

Die Menschen fürchten das Denken wie nichts anderes in der Welt. Denken ist umstürzlerisch und revolutionär, zerstörend und erschreckend, erbarmungslos gegen Privilegien, festgesetzte Institutionen und bequeme Gebräuche.

Worte wie in Marmor gemeißelt. Der Autor ist kein geringerer als Bertrand Russell, einer der größten Denker des vorigen Jahrhunderts. Er liebte die Philosophie, die Logik, die Mathematik. Und letzteres bedeutet – was nur wenigen bekannt ist – wörtlich übersetzt: die Kunst des Lernens oder das Handwerk der Wissenschaft.

Russell hat sich unter anderem auch intensiv mit Politik und Pädagogik beschäftigt:

Freies Fragen wird verhindert werden, solange es Ziel der Erziehung ist, Überzeugungen statt Denken hervorzubringen.

Zum Abschluss eines meiner Lieblingszitate zum Thema Erziehung:

Die meisten Anstrengungen der Eltern, ihren Kindern gute Manieren beizubringen, scheitern daran, dass die Kinder in einem natürlichen Trieb alles nachmachen, was sie ihre Eltern tun sehen.

 

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„Königsweg“ – ein Begriff setzt sich durch.

Heute möchte ich mich einmal bedanken – bei all denen, die mich zitieren. Sei es bewusst oder unbewusst, sei es mit oder ohne Quellenangabe :-).

Juristisch ist alles ganz einfach: Wörter wie Projektintelligenz, Projektfähigkeit, Projektmensch oder Projektarchetypen – alles Begriffe, die ich mir vor Jahren für ein Buch oder einen Artikel ausgedacht habe – lassen sich nicht schützen.

Ich sehe es mit heiterer Gelassenheit, dass ich hier und da „beklaut“ werde. Bekanntlich werden selten Dinge gestohlen, die ohne Wert sind. Auch wenn ich ohne Nennung meines Namens oder falsch zitiert werde, bleibe ich ziemlich entspannt, solange es nicht unter die Gürtellinie geht. Und bei „Abiturwahn“ beispielsweise – von mir im Untertitel von „Zu viel Schule“ verwendet – wüsste ich selbst nicht, wen ich als Urheber angeben sollte.

Besonders erfreulich finde ich, dass in letzter Zeit der altbekannte Begriff „Königsweg“ immer häufiger so verwendet wird, wie ich es seit mehr als fünf Jahren tue: als Bezeichnung für den

frühzeitigen Abschluss einer dualen Berufsausbildung – vor dem Studium oder sogar vor dem Abitur.

Also, nochmals herzlichen Dank an alle Autor_innen, Schulleiter_innen (insbesondere BK Hennef sowie BBS Bad Neuenahr) und Bildungsfachleute. Auf dass der Königsweg-Begriff in immer mehr Köpfen verankert werde. Nur so kann eine neue Sicht der Dinge entstehen. Und vielleicht irgendwann ein besseres, Schüler-gerechteres Bildungssystem in Deutschland.

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