Ganz einfach: Betriebliche Ausbildung als Voraussetzung fürs Studium

In meinem letzten Artikel ging es um die Frage: Wie können wir den Akademisierungswahn in Deutschland stoppen? Die Antwort ist ziemlich einfach.

Stellen Sie sich vor, jeder Sechzehnjährige wüsste: Um zu einem Hochschulstudium zugelassen zu werden, brauche ich neben dem Reifezeugnis eine Urkunde, die den Abschluss einer betrieblichen Ausbildung bescheinigt, also ein IHK-Prüfungszeugnis, einen Facharbeiter- oder Gesellenbrief. Schlagartig wäre Schluss mit der Geringschätzung der dualen Berufsausbildung, ebenso mit der Überhöhung und Pervertierung des Abiturs. Abi und Fachabi wären nur noch das, als was sie ursprünglich gedacht waren: ein höherer Schulabschluss. Keine Garantie für ein gelingendes Leben, wie jeder Studienabbrecher weiß.

Mit einem Schlag würde das kindlich-überhebliche Verhalten der Abiturienten mit Lese- und Rechenschwäche aufhören, der mitleidige Blick in Richtung Azubis. Plötzlich wäre klar: Wenn ich mit Erfolg studieren will, genügt nicht das Pauken von Fakten und das Durchschlawinern in Oberstufenkursen und diversen “Berufs”-Fachschulen. Ich muss mich beweisen in einem Betrieb, in der täglichen Auseinandersetzung mit Kollegen, Chefs und Kunden. Und dabei baue ich mein Selbstvertrauen auf – indem ich mein erstes Geld verdiene, meine ersten Steuern und Rentenbeiträge zahle.

Zwei Wege bieten sich dabei an: Entweder Durchmarsch bis zum Abi mit achtzehn oder neunzehn, danach verkürzte Berufsausbildung, anschließend zur Uni; oder mit sechzehn Einstieg in eine duale Ausbildung, danach Meister statt Master oder aber Fachabitur an einer Fachoberschule mit anschließendem FH-Studium. In beiden Fällen wäre mit circa 23 Jahren der Bachelor oder aber der Meisterbrief zu schaffen.

Wo ist das Problem? Wäre es wirklich schlimm, wenn es weniger 23-jährige Langzeitschüler gäbe, weniger Studienabbrecher, mehr ganzheitliche Bildung statt Halb- und Einbildung?

Kommentare | This page as PDF Drucken (PDF) | Weiterempfehlen

Akademisierungswahn stoppen. Aber wie?

Man kann es vornehm „Akademisierungstrend“ nennen, wie Eva Schmidt von der Bundesagentur für Arbeit in Rheinland-Pfalz. Ich nenne es Akademisierungswahn, so wie es der Philosoph Julian Nida-Rümelin und viele andere inzwischen tun. In dem Artikel „Immer weniger Lehrlinge im Land“ (Rhein-Zeitung, 25.8.2014) benennt Frau Schmidt die Fakten:

2013 gab es zum ersten Mal weniger duale Ausbildungsverträge
als Hochschul-Immatrikulationen.

Immer mehr Studenten, sorry: Studierende, immer weniger Azubis. Das heißt, in ein paar Jahren findest du kaum noch jemanden, der dir die Haare schneiden oder deine Heizung reparieren kann; stattdessen Heerscharen von langhaarigen Akademikern und Studienabbrechern, die in ungeheizten Wohnungen frieren. Der Trend ist scheinbar unaufhaltsam: Jeder will Master, keiner will Meister werden.

Mal ehrlich, wen hätten Sie gern als Schwiegersohn, etwa einen Konditormeister aus Hamburg oder Wien? Dann doch lieber den smarten jungen Mann aus Paderborn, der dort gerade seinen Master in Gender Studies gemacht hat, Nebenfächer: Kunstgeschichte und Medienwissenschaften. Falls Sie sich nicht auf Anhieb etwas Handfestes unter dem Studienfach vorstellen können, hier ist die Originalbeschreibung der Uni Paderborn:

Inhaltlich befasst sich das Studienfach Geschlechterstudien/Gender Studies mit der Tatsache, dass die kulturellen, sozialen und politischen Dimensionen gesellschaftlichen Lebens von (historisch gewachsenen und geformten) Geschlechterordnungen durchzogen sind. Es eröffnet damit Wege zum Verständnis der Bedingungen demokratischer Gesellschaften, von gesellschaftlichen Arbeits- und Machtverhältnissen, von Bewertungs- und Ausschlusspraxen oder sozialisatorischen und medialen Einflüssen auf die Individuen …

Und womit verdient man nach einem solchen Studium sein Geld? Laut Uni Paderborn so:

Mögliche Berufsfelder: Im Studienfach Geschlechterstudien/Gender Studies wird auf die Tätigkeit in Berufen vorbereitet werden, in denen „Genderkompetenz“, also der wissens- und reflexionsbasierte Umgang mit Geschlechterfragen und gesellschaftlichen Geschlechterverhältnissen gefragt ist, bzw. auf Tätigkeiten im Feld der Forschung über Geschlechterthemen. …

Na, dann können Sie sich doch beruhigt zurücklehnen, wenn Ihr genderkompetenter Schwiegersohn sich demnächst nach einer festen Stelle umsieht. Er wird sich vor Angeboten kaum retten können. Gut, dass Ihre Tochter sich nicht in einen Konditormeister oder einen Maschinenbauer verknallt hat.

Und viel Glück, wenn Ihre transsexuelle Heizung im Eimer ist. Ihr Gender-Sportsfreund wird es Ihnen erklären: Laut neuesten Gender-Forschungsergebnissen frieren Männer in Häusern mit kaputter Heizung genauso wie Frauen. Eine Studie zum Haarwachstum bei bisexuellen KonditorInnen (oder heißt es “Kuchenbackende”?) wurde gerade vom Bundesministerium für geschlechts- und wissensneutrale Bildung in Auftrag gegeben.

1 Kommentar | This page as PDF Drucken (PDF) | Weiterempfehlen

Philipp Lahm, Projektphilosoph

oder: Die Unerbittlichkeit der Deadline

Die ZEIT bringt heute einen Artikel, in welchem der bisherige Kapitän der deutschen Fußballnationalmannschaft die Gründe für seinen Rücktritt von diesem Amt darlegt. Bemerkenswert sind zunächst einmal die zahlreichen Kommentare von ZEIT-ONLINE-Lesern. Viele dieser “Stellungnahmen”, natürlich überwiegend unter Pseudonym veröffentlicht, strotzen vor Neid, Häme und Spitzfindigkeiten.

Nur wenige Kommentatoren nehmen wirklich Stellung zum Original-Lahm-Text, die meisten scheinen sich weder für den Menschen Philipp Lahm noch für Fußball zu interessieren, sondern für Geld, Ruhm und ein wunderschönes Leben ohne Arbeit – offensichtlich haben einige übersehen, dass Lahm keineswegs die Fußballstiefel an den Nagel hängt, sondern noch einige Zeit als Kapitän des FC Bayern weitermachen will.

Und so verwundert es nicht, dass diese anonymen “Publizisten” – feige, kleinkariert und materialistisch wie sie sind – dieselbe mickrige Einstellung zum Leben auch dem Fußballer und Multimillionär Lahm unterstellen.

Wie viele andere Fußballfans in unserem Land, die sich lieber erstklassige Länderspiele anschauen als drittklassige Online-Kommentare zu verfassen, halte ich Philipp Lahm für einen klugen und stets teamorientierten Ausnahmefußballer, der zudem ein außergewöhnlicher Mensch ist. Denn er hat mit dreißig Jahren erkannt, was viele auch mit achtzig nicht begreifen:

  • Ein Menschenleben besteht aus Projekten. Auch aus den niemals begonnenen.
  • Jedes Projekt – ob du Fußballweltmeister oder Bäckermeister werden willst – ist ein Projekt, weil es irgendwann zu Ende ist. Die Deadline ist unerbittlich.
  • Irgendwann machst du dein letztes Projekt. Auch dein Leben hat eine Deadline – wie das eines Hamsters, einer Eintagsfliege oder eines Mammutbaums.
  • Besser als immer nur abzuwarten, ist es, die “Hoheit über sein Leben” zu gewinnen, ”das heißt: Entscheidungen treffen, bevor sie mich einholen” (Zitat / P. Lahm).

Interessant ist auch, dass nach Lahms eigener Einschätzung “das verlorene Finale in der Champions League vor zwei Jahren mit den Bayern gegen Chelsea ein Knackpunkt in seiner Karriere” war. Er habe eines seiner besten Spiele gemacht an diesem Tag, “aber es hat trotzdem nicht gereicht”. Das heißt, zur tiefsten Erkenntnis kommst du in deinen bittersten Momenten. Das kann helfen, in der Stunde des größten Triumphs – nicht abheben, auch nicht einfach weitermachen wie bisher … Entscheidungen treffen.

Philipp Lahm ist ein Mensch, der gern und oft Projekte macht und der intensiv darüber nachdenkt – über Erfolg und Niederlage, Teamgeist und Eigenverantwortung, Tapferkeit und Mitgefühl. Ohne Zweifel ein Projektphilosoph.

 

Kommentare | This page as PDF Drucken (PDF) | Weiterempfehlen

Brücken bauen, Welten verbinden – deutsche Schüler helfen Kindern in Pakistan

Gestern Abend fand in Bad Neuenahr-Ahrweiler ein Benefizkonzert zugunsten von pakistanischen Kindern statt. Unter dem Motto “Brücken bauen, Welten verbinden” wurde in der alten, etwas düsteren Klosterkirche auf dem Kalvarienberg hell und fröhlich gesungen und musiziert, das Programm reichte von Telemann bis Leonard Cohen und Michael Jackson.

Für mich war es ein ganz besonderer Abend, denn die Hauptakteure dieses Projekts waren neben einer Sängerin aus Pakistan zwei junge Frauen, die ich in den letzten Jahren in Mathematik und Projektmanagement unterrichtet habe, Sophie Kessel und Laura Schadt. Bis gestern Abend wusste ich nicht, dass die beiden außer in Differenzialrechnung auch im Gesang und Klavierspiel zu erstklassigen Leistungen fähig sind. Dabei merkt man, wie sehr es ihnen Freude macht. Und das Ganze dient obendrein einem guten Zweck, nämlich der Schulbildung der Kinder in Jurian, einem Dorf bei Lahore in Pakistan.

Bei der Arbeit an diesem kleinen, feinen Projekt wurde aus meiner Sicht eine ganze Reihe von Brücken geschlagen, und zwar zwischen

  • einer kleinen Stadt in Deutschland und einem Dorf in Pakistan
  • einer berufsbildenden Schule und einem benachbarten Gymnasium
  • Musik und Mathematik
  • Projektmanagement-Lehre und Umsetzung in der Praxis
  • Projektarbeit und praktischer Philosophie, hier insbesondere: Freundschaft, Mitgefühl, Einsatz für soziale Gerechtigkeit.
1 Kommentar | This page as PDF Drucken (PDF) | Weiterempfehlen

Lehrfach Projektphilosophie – jetzt geht’s los.

Ab heute bin ich frei, für den Rest meines Lebens. Gestern war mein letzter Arbeitstag als angestellter Lehrer. Die Abschiedsfeier im Brauhaus Bad Neuenahr, zusammen mit Kolleginnen, Kollegen und siebzig, achtzig Schülerinnen und Schülern, werde ich so schnell nicht vergessen: genug zu trinken für alle, fröhliche Lieder zur Gitarre (“Fack ju Göhte” auf “Smoke on the Water”), bei mir ein lachendes und ein weinendes Auge.

Ruhestand, was ist das? Gut, innere Ruhe – daran arbeite ich schon eine ganze Weile. Aber ich habe noch ein paar Dinge vor. Punkt eins auf der To-Do-Liste: Etablieren eines neuen Schnittstellenfachs Projektphilosophie als Kombination aus zwei alten Fächern (wie z. B. bei der Wirtschaftsinformatik), nämlich aus Projektmanagement und praktischer Philosophie.

Das heißt für mich: Schreiben, Vorträge halten, Verbündete für das Projekt gewinnen – Schüler und deren Eltern, Studierende und Professoren, Lehrer, Bildungspolitiker, Personalleiter, Manager und Firmeninhaber in Industrie und Handwerk.

Die Idee der Projektphilosophie ist keineswegs im luftleeren, akademischen Raum entstanden, sondern ergab sich als Konsequenz aus handfesten Erfahrungen im Schuldienst, kurz:

Meine Diagnose für den Patienten “Bildung in Deutschland” lautet: Zu viel Schule, zu dumm fürs Leben. Und mein Therapie-Vorschlag, den ich zusammen mit Schülern über Jahre entwickelt habe: Projektphilosophie.

Wer Interesse hat, an der Sache mitzuarbeiten, bitte melden.

3 Kommentare | This page as PDF Drucken (PDF) | Weiterempfehlen

Die XXL-Koalition der Traumtänzer und Geldverschwender

Was wir dringend brauchen: Praktische Berufserfahrung als Zulassungskriterium für Parlamente und öffentliche Führungspositionen

 

Gerade lese ich die SPIEGEL-Kolumne “Das Geld der anderen“, in welcher der Autor Jan Fleischhauer mir aus der Seele spricht:

Was passiert, wenn jemand nie in einem normalen Beruf gearbeitet hat, sondern immer in der Verwaltung oder im Parlament saß, zeigen die Verhandlungen zur Großen Koalition: Er ist sehr großzügig mit dem Geld anderer Leute.

Fleischhauer hat den Politikern von Union und SPD, die uns in den nächsten Jahren regieren wollen, genau auf die Finger geschaut und nachgerechnet:

50 Milliarden Euro kostet es, wenn man alles zusammenrechnet, was sich die Unterhändler in den Koalitionsverhandlungen für den Fall einer Großen Koalition an Neuerungen ausgedacht haben. Taifun “Haiyan” hat nach ersten Schätzungen einen Schaden in Höhe von zehn Milliarden Euro hinterlassen … Was die öffentlichen Finanzen angeht, haben die Vorhaben der Arbeitsgruppen also die fünffache Zerstörungskraft eines Monstersturms.

Auch die wesentliche Ursache für die Verschwendungssucht der Berliner Akteure hat Jan Fleischhauer erkannt: Jeder Bäckermeister und jede Einzelhändlerin muss das Geld, das er oder sie für neue Investitionen ausgibt, erst erwirtschaften. Jemand, der sein ganzes Leben nur an Schulen, Hochschulen, in Politik und Verwaltung verbracht hat, ist daran gewöhnt, dass immer genug Steuergelder in die großen öffentlichen Kassen fließen – das Geld der anderen. Das, was man den Bäckern, Einzelhändlern, Klempnern und Friseuren jeden Monat aus der Tasche zieht. Und wenn es wieder einmal knapp werden sollte für die grandiosen Megaprojekte in Berlin oder auch in Brüssel, in Hamburg oder Stuttgart, dann wird noch ein Stück tiefer in die Taschen der anderen gegriffen.

Einen Vorwurf muss sich Jan Fleischhauer jedoch gefallen lassen: Er ist auf dem rechten Auge blind und bringt nur “Sozis” wie Gabriel und Steinmeier als Beispiele für ein Politikerleben ohne echte Berufserfahrung. Ich bin sicher, dass der Anteil der realitätsfernen Akademiker und Bürokraten bei CDU und CSU nicht wesentlich geringer ist.

Und nun genug der Kritik und des Klagens. Hier sind meine konkreten Vorschläge, die ich teilweise schon an anderer Stelle formuliert habe:

  • Jeder, der Mitglied eines Parlaments (Stadtrat, Bundes- oder Landtag) werden will, muss vorher mindestens fünf Jahre in der freien Wirtschaft gearbeitet haben.
  • Das gleiche muss für jeden gelten, der eine Behörde, ein Ministerium, eine Schule, ein Krankenhaus bzw. eine Abteilung in einer solchen öffentlichen Einrichtung leiten will.
  • Jeder, der an einer Hochschule studieren will, sollte neben dem Hochschulreifezeugnis auch eine abgeschlossene Berufsausbildung in Industrie, Handel oder Handwerk nachweisen.
  • Auch für die Lehrtätigkeit an einer weiterführenden Schule oder Fachhochschule sind eine abgeschlossene Berufsausbildung und zusätzlich zwei Jahre Berufstätigkeit in der freien Wirtschaft notwendig.

 

Kommentare | This page as PDF Drucken (PDF) | Weiterempfehlen

Da Vinci, da capo

Ja, ich bin wieder online, es geht mir ganz ordentlich nach zwei OP’s innerhalb von wenigen Monaten. Und ich bin meinem Herrgott dankbar dafür, dass ich nach der Diagnose Krebs, die ich vor etwa einem halben Jahr bekam, nun wieder frei herumlaufe :-) . Mal schau’n, wie lange noch.

Da Vinci … so bezeichnet man das computergestützte Verfahren, nach welchem man Prostatakarzinome minimal invasiv entfernt; salopp gesagt, es geht um robotische Chirurgie. Die Operation hat bei mir Markus Hohenfellner durchgeführt, für mich ein ganz besonderer Arzt. Die chirurgische Uniklinik Heidelberg befindet sich gleich neben dem Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ), wo ich vor gut dreißig Jahren des öfteren zu tun hatte; damals war ich wissenschaftlicher Mitarbeiter an der RWTH Aachen im Bereich Medizinische Informatik und habe bei Projekten der Krebs- und Rheumaforschung mitgearbeitet – ziemlich spannende Sache, und nun gibt’s für mich den Return on Investment ;-) . Jedenfalls kann ich jedem, den es betrifft, die Heidelberger Uniklinik und speziell Professor Hohenfellner sehr empfehlen. Ich werde ihm und seinem Team für den Rest meines Lebens zutiefst dankbar sein.

Da capo … nein, ich fange jetzt nicht ein neues Leben an, ich setze nicht alles auf Null, aber ich setze neu auf. Ich habe mir ein paar Gedanken gemacht in den letzten Monaten, als plötzlich mein altes Koordinatensystem, privat und beruflich, nicht mehr gültig war – Dinge, die vorher äußerst wichtig zu sein schienen, haben inzwischen eine bei weitem geringere Bedeutung für mich, Bloggen zum Beispiel.

Ja, ich setze neu auf. Ich werde mehr Acht geben auf die kleinen Dinge, zum Beispiel bei einer Wanderung im Gebirge oder am Strand, und ich werde mir mehr Zeit nehmen für die Menschen, die mir wichtig sind. Ganz nebenbei habe jetzt einen unschätzbaren Vorteil: Statt, wie früher, mit meinen Schülern und Studenten auf einer abstrakten Ebene über Leben und Tod zu philosophieren, kann ich jetzt ein wenig mehr Praxisbezug ins Spiel bringen.

Eins kann ich auf jeden Fall versprechen, eine sentimentale Schlafmütze werde ich niemals werden, dafür habe ich nicht die richtigen Gene.

Kommentare | This page as PDF Drucken (PDF) | Weiterempfehlen

Anekdoten(4): Aufschlag Friedrich der Große, trockener Return von Moses Mendelssohn

Moses Mendelssohn (1729-1786), der Großvater des Komponisten Felix Mendelssohn-Bartholdy, war im Berlin Friedrichs des Großen eine bekannte Figur. Zwischen dem König und dem Philosophen, der zugleich einer der einflussreichsten Repräsentanten des damaligen Judentums in Deutschland war, entwickelte sich im Laufe der Jahre eine freundschaftliche Verbundenheit.

Zu einem Essen, das Friedrich II. gab, hatte er auch Mendelssohn geladen. Kurz bevor die Gäste kamen, hatte der König einen witzigen Einfall, nahm die Tischkarte des Philosophen und schrieb unter den Namen Mendelssohn “… ist ein Esel”. Darunter setzte er ganz offen seinen Namenszug.

Als man zu Tisch ging, beobachtete er den Gelehrten genau, als dieser die Karte las, aber keine Miene verzog. Das ärgerte ihn, und er forderte Mendelssohn auf, doch vorzulesen, was auf seiner Tischkarte stände. Mendelssohn nahm die Karte und las ganz langsam, unter besonderer Betonung der Zahlwörter: “Mendelssohn ist ein Esel – Friedrich der zweite.”

———————————————————————————————————-
Quelle: Das große Buch der Anekdoten von A-Z, Orbis Verlag, 1991

Kommentare | This page as PDF Drucken (PDF) | Weiterempfehlen

Alles abschaffen: Sitzenbleiben, Schulnoten … und die Stoppuhr beim 100-Meter-Lauf

Das Leben ist ein Ponyhof – die wundersame Welt des Fernsehphilosophen Richard David Precht

 

Man stelle sich vor, da sitzt jemand auf einem Sofa in einer Talkshow und erklärt: Die Zustände in den deutschen Leichtathletik-Stadien sind katastrophal, die jungen Sportler haben zu wenig Motivation, sie können nicht wirklich ihre Persönlichkeit entwickeln, und auf dem Siegerpodest stehen viel zu wenig Leute.

Der Mann auf dem Sofa weiß, wovon er spricht, denn als junger Bursche hat er bei den Bundesjugend-Murmelspielen in Immekeppel den drittletzten Platz gemacht. Deshalb fordert er nun: Schluss mit den Stoppuhren, Maßbändern und den lächerlichen Medaillen. Jeder soll mit 18 Jahren an einer Olympiade teilnehmen dürfen. Disqualifikation wegen Regelverstoß oder mangelnder Leistung ist Schnee von vorgestern. Statt der Wettkämpfe in klar abgegrenzten Disziplinen sollten in Zukunft “Projekte” (!) durchgeführt werden, bei denen die Athleten lernen, „verschiedene Expertisen multiperspektivisch zu einem Erkenntnisprozess zu ordnen und daraus Strategien zu generieren” (Zitat aus dem neuen Buch von R. D. Precht, siehe FAZ-Rezension vom 28.4.2013). Statt einer Medaille erhält jeder Athlet ein Gutachten, in welchem “die ganze Persönlichkeit” erfasst wird.

Und nun ersetzen Sie “Leichtathletik-Stadien” durch “Schulen” sowie “Medaillen” durch “Noten”, dann dämmert Ihnen allmählich: Der Sofakritiker Precht, wie ihn der Hamburger Schulsenator Rabe kürzlich nannte, hat wieder zugeschlagen – bei Günther Jauch, wo er sein neues Buch und seine Ideen von der Schule der Zukunft vorstellen durfte. Das Verrückte ist: Einige von Prechts Denkansätzen sind gar nicht so neu und auch nicht völlig falsch – aber er stößt in einer künstlerisch-eleganten Bewegung mit dem Gesäß das um, was andere mühevoll über Jahre mit ihren Köpfen und Händen aufgebaut haben.

Besonders peinlich: Herr Precht hat nie Pädagogik und Didaktik studiert, geschweige denn für ein, zwei Jahre einmal an einer Schule unterrichtet; er hat keine Ahnung von MINT (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft, Technik) und ebenso keinen Schimmer von Projekten, aber er äußert sich ausufernd zu all diesen Dingen. Wer außer Prechts kindlich-naiver Vorstellung von Projekten weiter nichts darüber erfahren würde, müsste glauben, im Projektgeschäft gehe es zu wie in einer Fernseh-Quasselbude: Keine Struktur, kein Ziel, keine Qualitätskontrolle, keine Ergebnisse … blablabla.

Schade, Herr Precht, Thema verfehlt, mangelhaft. Und nun halten Sie nicht weiter den Betrieb auf; lassen Sie die, die sich ernsthaft mit Schule und Bildung auseinander setzen, in Ruhe arbeiten. Nehmen Sie wieder Platz auf Ihrem Fernseh-Sofa und bitte, bitte bleiben Sie dort sitzen.

—————————————————————————-
 Foto:Wikimedia 

1 Kommentar | This page as PDF Drucken (PDF) | Weiterempfehlen

Uli Hoeneß, der Retter der SPD

 

Jetzt geht’s um die Wurst. Die Rede ist nicht vom McDonald’s-Nürnburger aus der Wurstfabrik von Uli Hoeneß, sondern:

Erstens vom FC Bayern München, der sich mit beeindruckender Effizienz auf dem Weg zum erneuten Gewinn des Champions-League-Pokals befindet, jedoch gestern ein saudummes Eigentor seines Vereinspräsidenten hinnehmen musste. Genauer gesagt: Uli Hoeneß hat über Jahre hinweg einige hundert Millionen Eigentore geschossen und dies auch bereits im Januar per Selbstanzeige zugegeben, bekannt wurde die Sache aber erst gestern. Geprüft wird zur Zeit, inwieweit sich das “unvorstellbare Vermögen” (siehe Süddeutsche, gestrige Ausgabe) von Eigentreffern auf das Festgeldkonto des FC Bayern auswirken wird. Aber vielleicht ist das dem ein oder anderen inzwischen eh Wurscht.

Zweitens von der alten Tante SPD, die – anders als die alte Dame Juventus Turin im CL-Viertelfinale – nun eine fantastische Steilvorlage bekommen hat, nachdem sie im Vor-Wahlkampf gegen Schwarz-Gelb schon hoffnungslos zurücklag. Sie nämlich hat den von CDU, FDP und vor allem von der Hoeneß-Partei CSU angestrebten Kuhhandel verhindert, mit dem tausende Steuer-Großbetrüger in Deutschland eine Art Persilschein bekommen hätten. Ich vermute, damit ist die SPD zurück im Spiel. Sie wird Herrn Hoeneß eines Tages ein Denkmal setzen.

Laut FAZ vom 7.4.2013 hat der FCB-Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge sich vor einiger Zeit geäußert, man müsse „mit dem Schuss Demut und Gier in die Spiele gehen“. Nun, mit der Gier klappt es ja schon ganz schön. Fehlt nur noch ein bisschen Demut.

P. S.: Die obige Briefmarke zeigt eine Szene aus dem Spiel Deutschland – Jugoslawien bei der WM 1974, als Uli Hoeneß den Ball noch in die richtige Richtung schoss (–> Wikimedia).

Kommentare | This page as PDF Drucken (PDF) | Weiterempfehlen