Fass‘ dir ein Herz, sag‘ deinem Lehrer die Meinung

Das Niveau ist hoch, es ist nur keiner drauf …

 

… hat Karl Kraus einmal gesagt. Von hohem Niveau handelt auch die kleine Episode, die ich vor ein paar Tagen an meiner Schule erlebt habe, wobei ich im ersten Moment ziemlich perplex war, am Ende aber voller Heiterkeit und Stolz auf unsere jungen Leute am Carl-Reuther-Berufskolleg in Hennef. Denn nach dieser kurzen Begegnung mit drei Schülern war mir klar: Solange es „Lernende“ mit solchem Mut und solcher Schlagfertigkeit in unserem Bildungssystem gibt, ist Deutschland nicht verloren.

Die Szene spielte sich auf der ersten Etage unseres Kollegs ab. Es war gerade Pause, und ich war auf dem Weg zum Lehrerzimmer im Erdgeschoss. Auf den obersten Stufen der Treppe hatten es sich die besagten drei Schüler, die mir alle nicht bekannt waren, bequem gemacht. Bei dem nasskalten Winterwetter zogen sie offensichtlich diesen Standort den Pausenzonen an der frischen Luft vor.

Ich versuchte, den Blick der drei Junioren auf eine der Hinweistafeln zu lenken, auf denen unmissverständlich dokumentiert war: Während der Pausen ist für Schülerinnen und Schüler der Aufenthalt im Hochgeschoss nicht gestattet. Aber, wie ich befürchtet hatte, machte dies nicht allzu großen Eindruck auf die Schüler; sie lächelten mich freundlich an wie junge chinesische Gastschüler, die der deutschen Sprache nicht mächtig sind. Ich zog die Witz-Karte und erklärte den jungen Männern, die inzwischen immerhin aufgestanden waren, ebenfalls freundlich lächelnd: „Sie müssen runter ins Erdgeschoss; allenfalls auf der halben Etage dürfen Sie bis zum Klingelzeichen bleiben. Das hier ist also nicht das richtige Niveau für Sie, genau genommen sind Sie Hochstapler.“ Darauf der älteste von den dreien: „Na, dann müssten Sie ja in den Keller.“

Was hätten Sie an meiner Stelle gemacht? Wie schon gesagt, ich war zunächst sprachlos, was bei mir eher selten vorkommt. Dann aber bekam ich einen regelrechten Lachanfall, ich war schlicht begeistert von dieser dreisten Pfiffigkeit und das einzige, was mir als Antwort einfiel, war: „Ich glaube, das ist was für meinen Blog.“

Übrigens wurde am Ende doch noch ein kleiner „Projektfortschritt“ erzielt, die drei Hoffnungsträger vollzogen nach dem kurzen Wortwechsel einen Positionswechsel in Richtung frische Luft.

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1 Kommentar

  1. jan sobottka —   23. Dezember 2015, 12:20 Uhr

    Nun ja:
    Die Antwort war ja gewissermaßen provoziert. Der Keller ergab sich aus dem Hochgeschoss.
    Schüler reagieren auf „Beleidigungen“ sehr empfindlich, zumal wenn sie von der Warte des Hochgeschosses erteilt werden ….
    Schön, dass sie so lässig reagiert haben. Das spricht für sie. Ich glaube, sie haben mehr bei der Sache gelernt als die Schüler …
    (Weshalb ich hier gelandet bin… ? Suchte Karl Kraus‘ Zitat über das Niveau …. ) Lieber Gruß aus Berlin.

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