Neues Schulfach: Projektphilosophie

… damit unsere Kinder lernen, mit großen Zielen und festen Werten ihr Leben zu meistern

 

 Geändert am 22. Juli 2012:
(11) „Erkenntnis“ statt „Wissen“
(12) „Gerechtigkeit“ statt „Vernunft“

 

 

Stellen Sie sich vor, ein achtzehnjähriger Bekannter erzählt Ihnen, dass sein bester Freund sich vor zwei Tagen das Leben genommen hat. Wie reagieren Sie? Werden Sie die die richtigen Worte finden?

Ich muss gestehen, ich habe mich sehr schwer getan in dieser Situation vor ein paar Wochen. Ich bin nicht Pfarrer oder Therapeut, ich bin Lehrer für Mathematik und Informatik. Aber ich habe zuvor etliche Jahre im Projektgeschäft gearbeitet, und ich bin Vater von zwei Töchtern und zwei Söhnen; deshalb beschäftigt mich seit geraumer Zeit die Frage:

Warum lernen unsere Kinder in der Schule tausend Fakten und Begriffe, aber so gut wie nichts von dem, was man braucht, um sein Leben zu meistern?

Seit tausenden von Jahren gibt es Regeln und Techniken, die Voraussetzung für ein gelingendes Leben sind; hinzu gekommen sind moderne Methoden des Selbst- und Projektmanagements. Man muss sie nur kennenlernen und vor allem: anwenden. Appius Claudius Caecus hat es auf den Punkt gebracht: Jeder ist seines Glückes Schmied.

Seit Anfang Januar habe ich zusammen mit einem guten Dutzend Fachoberschülern am Carl-Reuther-Berufskolleg in Hennef wieder eine „Schmiede“ eingerichtet, in der wir das Projektphilosophie-Handwerk trainieren. Es wird philosophiert, es werden Begriffe hinterfragt, Methoden und Techniken ausprobiert, Ideen entwickelt und dann in Projekten umgesetzt, das heißt: Wir versuchen, praktische Philosophie und Projektmanagement unter einen Hut zu bringen.

Unser langfristiges Ziel: Frische Luft fürs deutsche Bildungswesen durch die Einführung von „Projektphilosophie“ an allen weiterführenden Schulen, zunächst in Form von Arbeitsgemeinschaften, dann als Wahl- oder auch Pflichtfach.

Wir wissen, dass dies ein hohes Ziel ist. Aber von Seneca, der schon vor etwa 2000 Jahren den Schulbetrieb scharf kritisierte, haben wir gelernt: Nicht weil es schwierig ist, wagen wir es nicht, sondern weil wir es nicht wagen, ist es schwierig.

Schauen Sie sich einmal die folgende pdf-Präsentation an:

Wenn Sie Interesse an unserem Projekt haben, wenden Sie sich bitte an Herrn Martin Gantenbrinker (martin.gantenbrinker@googlemail.com) oder Herrn Timur Kisla (timur.kisla@web.de). Wir freuen uns über neue Verbündete!

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Mein Bericht vom APPROACH-Pilotkurs erschien am 5. März 2011:
In eigener Sache: Schulfach „Projektphilosophie“

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6 Kommentare

  1. Sven Wirz —   5. Februar 2012, 19:57 Uhr

    Finde das eine gute Idee. Da mein Bruder zur Zeit sein Abitur macht merke ich wie junge Leute die nach 13 Jahren Schule ins Leben geworfen werden echte Probleme damit haben. Man sollte dich an den Schulen also mal Gedanken diesbezüglich machen.

  2. Thomas —   5. Februar 2012, 20:26 Uhr

    Wow!
    Da haben Sie sich aber was vor genommen. Nicht schlecht! Klingt nach einem Schulfach, was man mal gebrauchen kann. Nicht so wie dieser trockene Philosophieunterricht an unserer Schule. So was muss sich wirklich mal in Deutschland durchsetzen. Ist bestimmt nicht einfach bei den 16 Kultusministerien. Was ist das auch für ein Unsinn, dass die Bildung in ganz Deutschland gleich gut sein muss, unsere Politiker aber meinen es immer noch zu Ländersache machen zu müssen. Ich jedenfall wünsche Ihnen/Euch viel Erfolg. Werde mal versuchen unsere Schule darauf aufmerksam zu machen. Vielleicht kann man mal eine Exkurs nach Hennef machen um was von eurem Projektphilosphiekurs zu lernen.
    Gruß

  3. Fabian Jasser —   5. Februar 2012, 23:24 Uhr

    Der Artikel regt echt zum Nachdenken an und verdeutlicht, dass das Schulsystem die Schüler keineswegs gut auf das Leben nach der Schulzeit vorbereitet. Vielleicht kann man ja mit einer ausgearbeiteten Form des Vorhabens bei einem Kultusministerium etwas bewegen. Wer nicht wagt, der nicht gewinnt.
    Gruß

  4. Frauke Göttsche —   6. Februar 2012, 11:02 Uhr

    Schöne Powerpoint-Präsentation! Viel Erfolg wünsche ich! Für mich bleibt außer den bereits gestellten noch die der Nachhaltigkeit: Wie mache ich ein Thema, das spontan begeistert, zu einem allgemein akzeptierten Thema? Darüber hinaus stellt sich aber noch viel stärker die Frage: Soll das wirklich ein (isoliertes) Fach sein? Oder sollte das beschriebene Gedankengut nicht in allen Fächern implementiert werden? Für mich wäre das dann eher ein generelles didaktisches Grundmodell, wie z.B. die Hahndlungsorientierung, die Kompetenzorientierung oder das Arbeitsprinzip Lernen durch Lehren (= Verantwortung und Partizipation als Grundhaltung des Lernens). Alle drei didaktischen Leilinien „vertragen“ sich meiner Ansicht nach mit der Projektphilosophie. Hinter jedem Lerninhalt stünde dann zusätzlich die Frage: Für welche „Tageszeit“ (Körper/Geist/Seele) und für welche „Uhrzeit“ brauche ich dieses Wissen? Wenn sich die Lehrplanschreiber über diese Frage für jeden Lerninhalt Gedanken machen würden, verschwänden nutzlose Inhalte vielleicht ganz von selbst. Wer weiß?

  5. B. M. Scheurer —   6. Februar 2012, 11:25 Uhr

    Herzlichen Dank, Frauke, für die guten Wünsche und vor allem für die wertvollen Anregungen. Eins ist klar: „Projektphilosophie“ ist ein Querschnitts-Fach par excellence, das bestätigst du ja mit deinem Beitrag. Und natürlich stehen wir in unserem „Testkurs“ am BK Hennef erst am Anfang der Entwicklung. Was jetzt als nächstes zu tun ist: Klären der Zielgruppen (Schulform/Bildungsgang/Altersstufe) und Entwicklung entsprechender Curricula. Da gibt’s noch jede Menge Arbeit ;-).

  6. Ralf Kuhlmey —   8. Februar 2012, 23:01 Uhr

    Endlich macht sich ein Lehrer wirklich Gedanken über unser Bildungssystem, es gibt sie wirklich – Pädagogen aus Berufung!!! –
    Bin sehr begeistert.

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