Die spezifische D√§mlichkeit der Soziologen … zu viel Schule, zu dumm f√ľrs Leben.

Angsthase Lehrling?“ lautet die √úberschrift eines FAZ-Artikels von¬†J√ľrgen Kaube. Darin nimmt er nach Strich und Faden eine Hochschulstudie des Soziologen Steffen Schindler¬†auseinander, die jetzt ihre „wissenschaftlichen“ Ergebnisse vorgelegt hat.

Kaube bezeichnet die Studie als „unversch√§mt“ und deckt schonungslos ihre Schw√§chen auf – die holprige Sprache, das Hochjubeln von Banalit√§ten zu „Forschungsergebnissen“ und vor allem: die Herabw√ľrdigung von Nichtakademikern.

Worum geht es im einzelnen? Die Studie kommt zu dem Schluss, dass immer mehr junge Menschen in Deutschland die Hochschulreife erwerben, jedoch leider zu viele von ihnen sich dann f√ľr eine Berufsausbildung entscheiden. Vor allem den Abiturienten aus dem „bildungsfernen Milieu“ wird unterstellt, ihnen fehle oft der Mut f√ľr ein Studium an einer Hochschule. Verk√ľrzt gesagt: Schule/Hochschule – je l√§nger je lieber.

J√ľrgen Kaube ist v√∂llig anderer Meinung. Denn jemand, der einen fr√ľhen Einstieg in Berufspraxis und Berufserfahrung anstrebt, hat es sich wom√∂glich „besser √ľberlegt“ als einer, der ohne klare Ziele in ein Studium hineinschlittert. Gerade letzteres h√§lt Kaube f√ľr einen Irrweg, wenn n√§mlich

Abiturienten bei schwachen Voraussetzungen in Mathematik nichts Besseres einfällt als: Jurisprudenz, Betriebswirtschaftslehre, Politikwissenschaft, Pädagogik, etwas mit Medien. Sollte man es da nicht einfach dem praktischen Verstand von Abiturienten gutschreiben, wenn sie stattdessen lieber Industriekeramiker, Goldschmiedin, Gärtner oder Geigenbauerin werden wollen? 

Der Mann spricht mir aus der Seele!¬†In meinen¬†Blog-Artikeln √ľber Johannes Ponader¬†von der Piratenpartei beispielsweise ging es genau um dieses Ph√§nomen: Da macht jemand ein 1,0-Abitur, er studiert eine Weile Mathematik, dann gibt er auf, studiert P√§dagogik, Theaterwissenschaft etc., mit Ende zwanzig hat er weder einen Studien- noch einen Berufsabschluss und ist mit Mitte drei√üig Hartz-IV-Empf√§nger – nach der Logik der Schindler-Studie eine Traum-Karriere. In Wahrheit ein Albtraum.

Auch wenn Leute wie Schindler es noch nicht mitbekommen haben: in Deutschland gibt es seit vielen Jahren einen erheblichen Fachkräftemangel, und mit Fachkräften sind eben nicht Soziologieprofessoren, Politologen oder Theaterwissenschaftler gemeint. Händeringend gesucht werden Kfz-Mechatroniker, Metaller, Bäcker und Konditoren. Es ist halt nicht so sexy, morgens um vier in der Backstube oder um sieben in der Werkstatt zu malochen.

Mein √Ąltester ist einen solchen Weg gegangen:¬†Tischlerlehre, Abendgymnasium, Abitur, anschlie√üend kaufm√§nnische Ausbildung mit der Option Hochschulstudium. Er kommt beruflich viel herum in Deutschland und Europa und¬†macht einen sehr zufriedenen Eindruck. Seit √ľber zehn Jahren liegt er weder mir noch dem Staat auf der Tasche und zahlt stattdessen Sozialbeitr√§ge und Steuern. Ich denke, er braucht sich nicht zu entschuldigen. Er braucht vor allem keine Ratschl√§ge von Soziologen, aber er k√∂nnte ihnen eine Menge vom¬†lebenslangen Lernen¬†erz√§hlen, wenn sie nur daran interessiert w√§ren.

Akademiker-Arroganz und Vorurteile gegen√ľber Handwerk oder kaufm√§nnischen Berufen sind offensichtlich sehr verbreitet unter Sozialwissenschaftlern. Diese Borniertheit meine ich, wenn ich von der „spezifischen D√§mlichkeit“ der Soziologen rede. Man k√∂nnte es auch Lebensdummheit nennen.

√úbrigens,¬†J√ľrgen Kaube, der mich mit seinem Aufsatz zum vorliegenden Artikel angeregt hat,¬†ist stellvertretender Feuilletonchef bei der FAZ, aber er ist unter anderem auch gelernter Soziologe. Nette Pointe, oder?

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–¬†Zu viel Schule zu dumm f√ľrs Leben
–¬†Fr√ľher Start ins Projekt- und Berufsleben statt Schule ohne Ende.

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1 Kommentar

  1. Maria marks —   9. Juli 2015, 08:37 Uhr

    Schulen sie doch zum B√§cker um! Ach nee arbeiten sollen nat√ľrlich die anderen. ..

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