Akademisierungswahn stoppen. Aber wie?

Man kann es vornehm „Akademisierungstrend“ nennen, wie Eva Schmidt von der Bundesagentur für Arbeit in Rheinland-Pfalz. Ich nenne es Akademisierungswahn, so wie es der Philosoph Julian Nida-Rümelin und viele andere inzwischen tun. In dem Artikel „Immer weniger Lehrlinge im Land“ (Rhein-Zeitung, 25.8.2014) benennt Frau Schmidt die Fakten:

2013 gab es zum ersten Mal weniger duale Ausbildungsverträge
als Hochschul-Immatrikulationen.

Immer mehr Studenten, sorry: Studierende, immer weniger Azubis. Das heißt, in ein paar Jahren findest du kaum noch jemanden, der dir die Haare schneiden oder deine Heizung reparieren kann; stattdessen Heerscharen von langhaarigen Akademikern und Studienabbrechern, die in ungeheizten Wohnungen frieren. Der Trend ist scheinbar unaufhaltsam: Jeder will Master, keiner will Meister werden.

Mal ehrlich, wen hätten Sie gern als Schwiegersohn, etwa einen Konditormeister aus Hamburg oder Wien? Dann doch lieber den smarten jungen Mann aus Paderborn, der dort gerade seinen Master in Gender Studies gemacht hat, Nebenfächer: Kunstgeschichte und Medienwissenschaften. Falls Sie sich nicht auf Anhieb etwas Handfestes unter dem Studienfach vorstellen können, hier ist die Originalbeschreibung der Uni Paderborn:

Inhaltlich befasst sich das Studienfach Geschlechterstudien/Gender Studies mit der Tatsache, dass die kulturellen, sozialen und politischen Dimensionen gesellschaftlichen Lebens von (historisch gewachsenen und geformten) Geschlechterordnungen durchzogen sind. Es eröffnet damit Wege zum Verständnis der Bedingungen demokratischer Gesellschaften, von gesellschaftlichen Arbeits- und Machtverhältnissen, von Bewertungs- und Ausschlusspraxen oder sozialisatorischen und medialen Einflüssen auf die Individuen …

Und womit verdient man nach einem solchen Studium sein Geld? Laut Uni Paderborn so:

Mögliche Berufsfelder: Im Studienfach Geschlechterstudien/Gender Studies wird auf die Tätigkeit in Berufen vorbereitet werden, in denen „Genderkompetenz“, also der wissens- und reflexionsbasierte Umgang mit Geschlechterfragen und gesellschaftlichen Geschlechterverhältnissen gefragt ist, bzw. auf Tätigkeiten im Feld der Forschung über Geschlechterthemen. …

Na, dann können Sie sich doch beruhigt zurücklehnen, wenn Ihr genderkompetenter Schwiegersohn sich demnächst nach einer festen Stelle umsieht. Er wird sich vor Angeboten kaum retten können. Gut, dass Ihre Tochter sich nicht in einen Konditormeister oder einen Maschinenbauer verknallt hat.

Und viel Glück, wenn Ihre transsexuelle Heizung im Eimer ist. Ihr Gender-Sportsfreund wird es Ihnen erklären: Laut neuesten Gender-Forschungsergebnissen frieren Männer in Häusern mit kaputter Heizung genauso wie Frauen. Eine Studie zum Haarwachstum bei bisexuellen KonditorInnen (oder heißt es „Kuchenbackende“?) wurde gerade vom Bundesministerium für geschlechts- und wissensneutrale Bildung in Auftrag gegeben.

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3 Kommentare

  1. paul —   3. September 2014, 16:01 Uhr

    Einen Schwiegersohn aus dem Gender-Mainstream? Wie möchter er den angeredet werden? Schwiegersohn ist da sicher falsch, besser „Schwiieger-Es“!
    Inzwischen gibt es sogar Studien, wo der Sinn oder besser Unsinn dieser sogenannten Wissenschaft kritisch hinterfragt wird:
    Link: http://sciencefiles.org/2014/08/20/der-feind-in-unserer-mitte-gender-studies-konnen-an-universitaten-nicht-mehr-einfach-geduldet-werden

  2. Alois —   25. Mai 2015, 14:21 Uhr

    Abgesehen von dem Gender-Quatsch, den manche Unis (meinem Eindruck nach besonders in Länderen, wo die Grünen mitregieren) machen, ist die Frage, ob die These von der Überakademisierung stimmt, nicht so klar.
    Ich selbst, jetzt eher am Ande meiner Berufslaufbahn stehend, habe eine Lehre gemacht und später studiert. Als ich im Studium war, war die Rede von Ärzte- und Lehrerschwemme sowie von taxifahrenden Philosphen.
    Ich habe trotz Bedenken bzgl. dieser Thesen fertig studiert und jetzt 35 Jahre lang mit dieser Basis mein Geld verdient. Insgesamt mindestens doppelt so viel im Vergleich zu dem, was in meinem Lehrberuf zu verdienen gewesen wäre.
    Bei meinen Kindern, sie stehen am Anfang ihrer berufslaufbahn ist es genauso. Als sind ein Schreiner, ein Ingenieur und eine promovierte Biotechnologin (alle um die 30 Jahre herum); die BruttoJahresgehälter in dieser Reihenfolhe sind: 25.000 / 55.000 / 100.000 EUR.
    Sollte ich meinen oder anderen Kindern, wenn sie die intellektuellen Voraussetzungen dafür haben, wirklich empfehlen, eine Lehre zu machen und am unteren Ende der Hackordnung ihr Berufsleben zu meistern? Wer ist hauptsächlich von Leiharbeit, Kurzarbeit, Lohndumpingen betroffen? Doch nicht die AKademiker, die sitzen zu 2/3 im öffentlichen Dienst.
    Und gesellschaftlich? Können wir unseren hohen Lebensstandard wirklich mit Konditoren und Friseuren aufrechterhalten oder mit technonlogisch führenden Produkten. Die Digitalisierung der Wirtschaft – wer wird gebrauch, wer wegrationalisiert?

    Das Problrm scheint mir nicht einfach zu sein.

  3. Alois —   25. Mai 2015, 19:10 Uhr

    Kleine Nachfrage:
    Was ist eigentlich aus dem Projekt „Projektphilosophie als Schulfach“ geworden, das vor dei Jahren hier ausgerufen wurde?

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