Er ist wieder da ‚Äď der Genosse Trend.

Totgesagte leben l√§nger. Zumindest in den K√∂pfen der Menschen. Timur Vermes hat aus dieser Erfahrungstatsache¬†eine¬†be√§ngstigend-makabre Fiktion entwickelt: In seinem Roman „Er ist wieder da“ l√§sst er Adolf Hitler im Jahr 2011 in Berlin wiederauferstehen. √úberraschend¬†war f√ľr mich nicht zuletzt¬†der Erfolg des Buchs in Israel.

√úberraschend, wenn nicht be√§ngstigend ist zur Zeit¬†f√ľr CDU/CSU, AfD und einige andere die Performance von¬†„Sankt Martin“ Schulz. Die aktuellen Umfragewerte¬†sind ph√§nomenal. Und – wen wundert’s noch? – nicht¬†einer von hundert promovierten¬†Politologen und Demoskopen¬†hat diese Entwicklung¬†vorausgesagt. „Von Wechselstimmung kann keine Rede sein“, hie√ü es noch vor kurzem. Oder: „Der kurzfristige Aufw√§rtstrend wird nicht lange anhalten“.

Auf Wikipedia findet man unter „Genosse Trend“ interessante Zahlen aus den¬†Sechzigerjahren. Der entscheidende Satz lautet: „Das Ph√§nomen endete in den 1970er Jahren“. Ein Wort fehlt in dem Satz: vorerst. Denn jetzt ist er pl√∂tzlich wieder da,¬†der¬†alte Herr. Und bringt Stimmung in die Bude der deutschen Parteienlandschaft, die bis vor kurzem¬†noch ziemlich starr wirkte.

Nur eins ist kurzweiliger als Sensations-Statistiken: Die Menschen, die sie erstellen, interpretieren, verniedlichen oder dramatisieren, je nach Bedarf.

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