Offener Brief an Martin Schulz

Bad Neuenahr, 24. April 2017

 

1. Warum ich in die SPD eingetreten bin

2. K√∂nigsweg statt Abiturwahn¬†(FOCUS-Online: ‚ÄěKostenlose Bildung.¬†Schulz-Plan w√ľrde Deutschland f√ľnf Milliarden im Jahr kosten‚Äú, 14.04.2017)

 

Lieber Martin,

vor gut sieben Wochen bin ich zusammen mit meiner Frau in die SPD eingetreten. F√ľr mich war es kein Neubeginn. In der Willy-Brandt-Zeit¬†war¬†ich Juso-Chef in Bergheim/Erft. Irgendwann¬†bin ich aus der SPD ausgetreten. Es war nicht mehr meine Partei.

Dass ich jetzt wieder mitmache, hat in erster Linie etwas mit Dir zu tun. Aber auch damit, dass mein Vater Sozialdemokrat war, ebenso mein Großvater Kaspar Scheurer, der vor fast hundert Jahren als Kölner Fabrikarbeiter in Berlin dabei war, als Philipp Scheidemann die deutsche Republik ausrief.

Und nun zur aktuellen Lage. Die SPD steht f√ľr Gerechtigkeit ‚Äď das ist der Kern Deiner Botschaft. Aber ‚Äěkostenlose Bildung‚Äú von der Kita bis zur Uni (laut¬†FOCUS,¬†14.04.2017) ‚Äď das ist nicht gerecht, das ist Mumpitz. Geb√ľhrenfreie Kitas sind f√ľr mich in Ordnung. Aber die Kosten bleiben; f√ľr sie kommt dann halt der Steuerzahler auf, wie bei den Schulen und Unis. F√ľr 11 Millio¬≠nen Sch√ľler und mittlerweile fast 3 Millionen (!) Studie¬≠rende sind rund 100 Milliar¬≠den Euro j√§hrlich zu erwirtschaften ‚Äď auch z. B. von Zwanzigj√§hrigen, die nicht von Beruf Sch√ľler sind, sondern Tischler oder Metallbauer. Solche Leute mit Gesellenbrief f√ľhre ich als Mathematiklehrer in neun Monaten (!) zum Fachabitur. Von allen Sch√ľlern und Studenten, die ich je unterrichtet habe, sind sie die besten ‚Äď menschlich und fachlich.

Du bist diesen¬†K√∂nigsweg¬†gegangen, Martin: fr√ľher Einstieg ins Berufsleben und dann gezielte Fortbildung ‚Äď √ľber IHK oder Fachoberschule / Hochschule.¬†Ich w√ľnsche mir eine SPD, die den Abiturwahn been¬≠det und dadurch¬†15 Milliarden Euro pro Jahr einspart,¬†statt weitere Milliarden zu ver¬≠geuden f√ľr Langzeitsch√ľler, die mit zwanzig immer noch nicht richtig lesen, schreiben und rechnen k√∂nnen. Einen Teil des Ersparten k√∂nnte man sinnvoll reinvestieren. Wie das zu machen ist, steht in meinem Buch ‚ÄěZu viel Schule, zu dumm f√ľrs Leben‚Äú. Ein Exemplar davon m√ľsste inzwi¬≠schen bei Dir gelandet sein. Da Du momentan wenig Zeit hast: Auf YouTube gibt‚Äôs eine Kurzfassung.

Herzliche Gr√ľ√üe aus Bad Neuenahr

Bernhard

 

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1 Kommentar

  1. Felix —   18. Juni 2017, 15:55 Uhr

    Wenn ich mir die NRW-Schulpolitik anschaue, die haupts√§chlich SPD-gepr√§gt ist und derentwegen die bisherige Landesregierung mit abgew√§hlt wurde, erwarte ich mir von der SPD in dieser Richtung nichts als Nivillierung nach unten und Freibier f√ľr alle. Jedenfalls keine Anstrengungs- und Leistungskultur, ohne die aber gute Bildung nicht zu haben ist.
    Die SPD ist keine Arbeiterpartei, die daf√ľr k√§mpft, dass die T√ľchtigen den Aufstieg schaffen, wie zu Willi Brands Zeiten, sie ist eine Partei f√ľr Sozialp√§dagogen, die es sich im √∂ffentlichen Dienst eingerichtet und bequem gemacht haben.

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