Sokrates, Trump, Zuckerberg – es geht bergab

… im Alphabet und mit der Wahrheit.

 

Gestohlen wird immer. Aber erst der Hehler macht ein Geschäft daraus.

Gelogen wird immer. Zum „guten“ Deal wird die L√ľge erst durch Leute und f√ľr Leute wie Mark Zuckerberg. Ist es vorstellbar, dass Donald Trump ohne Twitter, Facebook etc. Pr√§sident der Vereinigten Staaten geworden w√§re?

 

 

 

 

 

 

Die Zuckerbergs unserer √ľber-vernetzten Welt weisen hierbei jeden Vorwurf zur√ľck. Wer steht gern da als Hehler, Kollaborateur oder Kriegsgewinnler? Ja, es wird Krieg gef√ľhrt im World Wide Web, und er fordert immer mehr Opfer.

Auch Tesla-Chef Elon Musk, einer der Vorreiter der Roboter-Entwicklung, ist einer von denen, die den Geist aus der Flasche geholt und dabei Milliardenbeträge kassiert haben. Jetzt warnt er vor den drohenden Folgen. In einem Merkur-Artikel heißt es:

Auch k√∂nnte eine in Netzwerken existierende k√ľnstliche Intelligenz zum Beispiel einen Krieg starten: ‚ÄěDurch Fake News, gef√§lschte E-Mail-Konten, falsche Pressemitteilungen und die Manipulation von Informationen.‚Äú

Immerhin, Herr Musk bem√ľht sich um Ehrlichkeit und Ehrenhaftigkeit.

 

Kennen Sie die Anekdote ‚ÄěDie drei Siebe des Sokrates‚Äú? Falls nicht: Sie finden die Geschichte beispielsweise auf der¬†Website von Werner Stangl.

Dieser sokratische Dialog ist hilfreich f√ľr Journalisten und Wissenschaftler, f√ľr Politiker, Nachbarn und Klassenkameraden. Die Botschaft, kurz und b√ľndig:¬†Bevor Du redest, schreibst oder twitterst¬†– √ľber einen Dritten, der dazu nicht Stellung nehmen kann, stelle Dir selbst stets¬†drei Fragen.

Ist das, was ich berichte, wahr?
Ist es gut – f√ľr den Empf√§nger der Nachricht, f√ľr den Dritten, f√ľr mich?
Ist es notwendig? Braucht die Welt diese Nachricht?

Die Pointe zum Schluss: Vermutlich ist die Geschichte von den drei Sieben selbst nicht wahr. Und Sokrates kann nicht mehr Stellung dazu nehmen.

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Bildquellen:

https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Mark_Zuckerberg_-_South_by_Southwest_2008_-_2.jpg
https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Donald_Trump_(32758233090).jpg
https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Socrates_HEAD.jpg

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Freundlichkeit

Maischberger-Talk zum G20-Gipfel: Aggression beginnt im Kopf

 

Hamburg 2017, G20-Gipfel: Eine gewalttätige Minderheit, die ihre Aktionen lange vorher systematisch vorbereitet hat, beherrscht die Berichterstattung in den Medien; 76.000 friedliche Demonstranten werden kaum wahrgenommen.

Und dann die Maischberger-Talkrunde zu diesem Thema. Zwei der sechs Teilnehmer sind schon zu Beginn¬†der Sendung auf Krawall geb√ľrstet. Sie¬†zeigen¬†keinen Hauch von Respekt oder Verst√§ndnis gegen√ľber dem¬†jeweils anderen. Stattdessen Unterstellungen, Herabw√ľrdigungen, pers√∂nliche Beleidigungen. Und noch Tage nach der Sendung sorgen¬†sie f√ľr¬†Schlagzeilen. Es wird nachgetreten ‚Äď von der bekennend ‚Äěsozialen‚Äú Frau Ditfurth und dem notorisch ‚Äěnetten‚Äú Herrn Bosbach.

In meinem Buch ‚ÄěZu viel Schule, zu dumm f√ľrs Leben‚Äú gibt es ein Kapitel √ľber Freundlichkeit. Warum? Weil ich finde, dass Aggression im Kopf beginnt. Und dass jeder junge Mensch lernen kann, freundlich zu sein ‚Äď von seinen Eltern, seinen Lehrern oder von Teilnehmern einer TV-Gespr√§chsrunde.

In dem besagten Kapitel wird die¬†Projektphilosophie-Uhr¬†erw√§hnt, die ich vor einigen Jahren zusammen mit meinen Sch√ľlern entwickelt habe. Zw√∂lf Tugenden werden dabei in Form eines Ziffernblatts aufgelistet, und nicht ohne Grund ist ‚Äěfreundlich‚Äú die Nummer Eins. Denn dieses Merkmal wird am h√§ufigsten von Sch√ľlern genannt, wenn man sie fragt, was eine gute Lehrerin oder einen guten Lehrer ausmacht.

Von Laotse sind die folgenden drei S√§tze √ľberliefert:

Freundlichkeit in Worten schafft Vertrauen. Freundlichkeit im Denken schafft Tiefe. Freundlichkeit im Geben schafft Liebe.

Ob Frau Ditfurth und Herr Bosbach dieses Zitat kennen?

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Melbourne oder Mallorca – Hauptsache Australien

Die tz M√ľnchen hat √ľber f√ľnfzig „legend√§re Fu√üballspr√ľche“ gesammelt. Die Nummer Eins¬†kennt jeder Fu√üballnarr und auch¬†jeder¬†Fu√üballver√§chter:

„Mailand oder Madrid – Hauptsache Italien“.

Der Spruch wird Andi M√∂ller zugeschrieben. Als er noch aktiv war, hatten Fu√üballer selten Abitur und wenig Ahnung von¬†Geographie. Wir haben¬†die Spr√ľche nicht so ernst genommen, Hauptsache Weltmeisterschaft.

Heute h√∂ren¬†wir Spr√ľche von jungen Leuten, die Abitur¬†und trotzdem keinen Schimmer von Geographie haben. Nicht nur die¬†Spr√ľche, auch das deutsche Abitur nimmt kaum noch jemand¬†ernst.¬†Und¬†was macht ein Abiturient im Jahr 2017, um zu vergessen, wie wenig sein „Reifezeugnis“ noch wert ist, weil¬†500.000 andere es auch bekommen haben? Na klar, Australien.

K√ľrzlich erz√§hlte mir ein Bekannter von seinem √Ąltesten, der nach dem Abi mit ein paar Freunden¬†in Down Under unterwegs war. W√§hrend er sich f√ľr den K√∂nigsweg entschieden hatte, n√§mlich¬†eine kaufm√§nnische Ausbildung in einem gro√üen¬†Unternehmen, wollten die anderen „erstmal“ studieren.

Nun¬†kam ein Anruf des Juniors: „Ich bin heilfroh, dass ich mir den Azubi-Job¬†erk√§mpft habe. Meine Kumpels sind nicht so gut drauf. Sie haben festgestellt, dass sie f√ľr ihr Studium noch¬†fristgerecht Formulare der Hochschule Osnabr√ľck oder Pusemuckel ausf√ľllen m√ľssen – nicht online, sondern vor Ort. Doof, wenn man dann in Melbourne im Pub sitzt“.

Australien oder Osnabr√ľck – Hauptsache, noch ein paar Jahre ohne¬†Arbeit im Betrieb. Mamis oder Papis Geldbeutel wird’s schon richten.

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Was ist Kultur? Was bedeutet Zivilisation?

Als Teenager wurde ich Fan der¬†„Kulturgeschichte der Menschheit“ von Will¬†Durant, die damals gerade in einer deutschen √úbersetzung herauskam.¬†Zum Geburtstag oder zu Weihnachten bekam ich jeweils einen neuen Band von meinen Eltern geschenkt und stellte schnell fest: Das kann man nicht so nebenbei lesen.

Ich¬†beruhigte mich mit dem Gedanken: Wenn ich mal alt bin, lese ich alle B√§nde von A bis Z. Jetzt bin ich alt, also habe ich bei Band 1 angefangen: „Das Verm√§chtnis des Ostens“.¬†Die drei¬†ersten S√§tze lauten:

Kultur (im Original: civilization) ist soziale Ordnung, welche sch√∂pferische T√§tigkeit beg√ľnstigt. Vier Elemente setzen sie zusammen: wirtschaftliche Vorsorge, politische Organisation, moralische Traditionen und das Streben nach Wissen und Kunst. Sie beginnt, wo Chaos und Unsicherheit enden.

Aber wie soll man¬†Barbaren des 21. Jahrhunderts¬†Zivilisation¬†erkl√§ren? Dumpfbacken z. B., die im Zweistromland, dem heutigen Irak, jahrtausendealte¬†Baudenkm√§ler zerst√∂ren. Vermutlich haben sie nie von den Sumerern geh√∂rt, die einmal dort gelebt¬†und die¬†Keilschrift erfunden haben.¬†Sie ist zwei- bis viermal¬†(!) so alt wie¬†die „Heiligen Schriften“ der¬†Juden, Christen und Muslime, auf welche¬†so viele¬†Wirrk√∂pfe sich heute¬†berufen. Und weil sie niemals B√ľcher wie die von Durant lesen, wissen sie nicht, dass manches¬†„Neue“ aus √§lteren¬†Texten abgeschrieben wurde.

Will Durant¬†hat¬†uns ein gewaltiges¬†Werk hinterlassen. Es war das Projekt seines Lebens.¬†Was ich als Teenager noch nicht wusste: Durant¬†war kein Geschichtsprofessor, sondern Journalist, Lehrer und Philosoph. Und er war ein guter Schreiber, wie allein die folgenden Zeilen √ľber √Ągypten zeigen:

… noch heute verk√ľnden √∂ffentliche Ausrufer jeden Morgen in den Stra√üen Kairos das Zunehmen des Nils. So flie√üt die Vergangenheit in der stillen Ewigkeit dieses Stromes in die Zukunft √ľber und ber√ľhrt auf ihrem Wege leicht die Gegenwart. Nur die Historiker machen Einteilungen; die Zeit macht keine.

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200 Mio. Dollar f√ľr den K√∂nigsweg

Trump f√ľhrt¬†duale Berufsausbildung¬†nach deutschem Vorbild ein

Der¬†SPIEGEL¬†berichtet, dass der US-Pr√§sident die Berufsausbildung in seinem Land¬†reformieren will. Er „lie√ü¬†sich m√∂glicherweise von Bundeskanzlerin Angela Merkel¬†(CDU) vom Dualen System √ľberzeugen“, hei√üt es dort.

In meinem Artikel „Sch√∂n, Frau Merkel …“ habe¬†ich bereits im¬†M√§rz das Treffen¬†der Kanzlerin mit Trump kommentiert, bei dem¬†es um dieses Thema ging. Ebenso die Tatsache, dass Trumps Vorg√§nger¬†Obama schon 2013 die¬†deutsche Berufsausbildung √∂ffentlich gelobt hatte¬†– nachzulesen in Zu viel Schule, zu dumm f√ľrs Leben.

Erneut¬†stellt sich die Frage:¬†Wenn die USA, Spanien und weitere¬†L√§nder die Weichen in Richtung K√∂nigsweg¬†stellen, wieso gehen wir in Deutschland nun¬†seit Jahren¬†in die falsche¬†Richtung? Sch√§men wir uns daf√ľr, dass wir vor Jahrzehnten schon richtig lagen?

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Zu viel Schule – der Song

… f√ľr Leute, die nicht viel Zeit haben.

 

Hier ist das neue YouTube-Video, ca. 2 Minuten, der¬†Song zum Buch – Welturauff√ľhrung 😎.

Ein kurzer Ausschnitt aus meiner Autorenlesung in Bad Neuenahr:

 

 

Ausf√ľhrlichere Versionen¬†gibt es auf meinem YouTube-Kanal BMS.

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Sind wir Menschen noch zu retten?

Die Antwort gleich vorweg: nein. Denn das geht gar nicht.

Keine einzige der unglaublich zahlreichen Pflanzen- und Tierarten auf dem Planeten Erde l√§sst sich f√ľr immer „retten“. Auch das¬†System Mensch nicht. In¬†wenigen¬†Milliarden Jahren wird Leben auf der Erde unm√∂glich sein, weil die Sonnenstrahlung dann zu stark¬†geworden ist.

Wenn wir unseren Blick weiten und unbefangen Zeit und Raum betrachten, wird alles ganz klar und einfach: Jeder einzelne Mensch ist sterblich, und die Gattung Mensch wird eines Tages aufhören zu existieren.

Schon das Wort Lebensrettung ist falsch. Es ist eine Beschönigung und zeigt, wie sehr wir uns gegen die Tatsache der Sterblichkeit aufbäumen. Wenn ein Mensch vor dem Ertrinken gerettet wird, ist das eine bewegende, großartige Geschichte. Aber das Leben dieses Menschen wird nur verlängert, nicht gerettet.

Je mehr ich¬†√ľber diese Dinge nachdenke, desto geringer wird die¬†Angst und desto gr√∂√üer die¬†Gelassenheit. Ich begreife, ich bin nicht so wichtig. Und all die anderen auch nicht. Es geht nicht die Welt unter, wenn¬†der Homo sapiens ausstirbt.¬†Und das wird m√∂glicherweise schon bald der Fall sein (–> Wirtschaftswoche: „Das Ende der Menschheit ist nah“ /¬†Nasa-Studie, –> Stern /¬†Stephen Hawking).

Was folgt aus all dem? Carpe diem. Ein Apfelbäumchen pflanzen. Nett zu seinen Freunden, Lebenspartnern und Kindern sein. Projekte machen. Das Leben und die Menschen lieben lernen. Sterben lernen.

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Witzableiter(10): Fake News

St√ľrzt ein Mann zum Psychiater rein: „Herr Doktor, √ľberall Schmetterlinge, lauter Schmetterlinge“, ruft er und wedelt mit den Armen. „Doch nicht alle zu mir r√ľber!“ wedelt der Doktor zur√ľck.


Eike Christian Hirsch: „Der Witzableiter oder Schule des Gel√§chters“, S. 118
–> Witzableiter(1)

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Raus aus der Schule ‚Äď rein ins echte Leben …

… das war¬†das Motto bei der Verleihung des Deutschen Schulpreises 2017 durch die Kanzlerin vor zwei Tagen (–>¬†bundesregierung.de).

Ich musste schmunzeln, als ich diesen Slogan las. Er √§hnelt¬†auffallend¬†dem Titel meines letzten Buchs: Zu viel Schule, zu dumm f√ľrs Leben.¬†Nat√ľrlich kommt die Formulierung von Frau Merkel freundlicher r√ľber; sie ist Politikerin und weist den Weg in eine¬†goldene Zukunft, √§hnlich wie damals¬†Helmut Kohl mit seiner Verhei√üung der¬†bl√ľhenden Landschaften. Ich sage: abwarten. Einen Preis verleihen an eine erstklassige Schule ist die eine Sache, das¬†systematische Neugestalten aller¬†anderen zigtausend Schulen in Deutschland eine ganz andere.

Im vorigen Jahr war ich beim¬†Formulieren von Titel und Thesen meines neuen Buchs nicht allzu zimperlich. Ich habe schonungslos¬†die gegenw√§rtige Situation an den meisten¬†deutschen Schulen beschrieben. Aber mein Ziel war stets¬†eine k√ľnftige Verbesserung¬†des deutschen Schulsystems – wozu ich konkrete Vorschl√§ge gemacht habe.

Und jetzt¬†freue ich mich √ľber die Auszeichnung einer¬†berufsbildenden (!) Schule, der Elisabeth-Selbert-Schule (ESS) in Hameln, als beste Schule in Deutschland (–>¬†BILD-Artikel, 29.5.2017).

Lesen Sie den¬†Artikel!¬†An der¬†ESS Hameln wird Fairness und Teamgeist praktiziert. Es werden Projekte gemacht, um Br√ľcken von der Schule zum Berufsleben zu schlagen. In Hameln hat die Zukunft¬†schon¬†begonnen.

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Opium

Kraft und Löhrmann schmieren ab mit ihrer NRW-Bildungspolitik

 

„Abitur f√ľr alle“, das ist ungef√§hr so sinnvoll wie „Porsche f√ľr alle“. Klar, jeder hat jetzt eine Karre vor der T√ľr, wo Porsche draufsteht. Sieht auch aus wie ein Porsche. Aber unter der Motorhaube knattert¬†ein Zweitakter, das Getriebe hat einen Vorw√§rts- und vier R√ľckw√§rtsg√§nge, und das Ding klingt und stinkt wie ein Moped. Es ist ein Moped.

Irgendwann haben es die Wähler an Rhein und Ruhr gemerkt: Schule in NRW, das läuft seit Jahren wie geschmiert, nur in die falsche Richtung. Immer mehr Abiturienten, immer bessere Noten, immer weniger Wissen, Lernfreude, Erkenntnis.

Bei der NRW-Wahl am vergangenen Sonntag gab es nun eine¬†Klatsche f√ľr Frau Kraft („Wir lassen kein Kind zur√ľck“) und Frau L√∂hrmann („Wir wollten in unseren Schulen einiges¬†nach vorn bringen, aber damit waren viele wohl √ľberfordert“).¬†Nein, Frau L√∂hrmann, Sie waren¬†√ľberfordert mit¬†Ihrem Job. Von Anfang an. Und Sie haben es immer noch nicht begriffen.

Abitur f√ľr alle ist Opium f√ľrs Volk.

Wer anderen harte Drogen besorgt, muss aufpassen, dass er das Zeug nicht irgendwann selber nimmt. Nach dem Rausch kommt der harte Aufschlag auf dem Boden¬†der¬†Tatsachen. Die W√§hlerschaft von Frau Kraft¬†ist um circa ein F√ľnftel¬†geschrumpft, die von Frau L√∂hrmann¬†um fast die H√§lfte.

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Was ist Dein Projekt, Martin?

Daniel G√ľnther hatte ein Projekt: Sturz der Landesregierung in Kiel. Und er hatte Gl√ľck.¬†Sein Gegner Torsten Albig redete sich in einem Interview mit der Regenbogenpresse um Kopf und Kragen.

Die Herren Laschet und Lindner haben ein ähnliches Projekt in NRW. Auch sie könnten gewinnen Рwegen der Fehler von Frau Kraft.

Und Martin Schulz? Er hatte einen fulminanten Start im Januar. Es klang √ľberzeugend, als er sagte: Ich will Bundeskanzler werden. Aber Angela Merkel¬†ist nicht¬†Kraft oder Albig, sie¬†macht zur Zeit kaum Fehler.

Was Schulz braucht, ist ein neues Projekt. Zum Beispiel ein kompaktes, handlungsf√§higes¬†Mitteleuropa nach dem Brexit.¬†Die Gerechtigkeit wird’s¬†nicht bringen –¬†sie geh√∂rt zu den Wurzeln der SPD, und das zielt in die Vergangenheit. Ein¬†„proiectum“ ist etwas, das „nach vorn geworfen“ wird. Die W√§hler wollen wissen, wie es weitergeht – in Deutschland¬†und¬†Europa. Bestes Beispiel: die¬†Friedenspolitik von¬†Willy Brandt.

Bis zum 24. September ist noch ein wenig Zeit. Nach Kiel und D√ľsseldorf kommt Berlin. Und stets gilt der Spruch:

Sage mir, was Dein Projekt ist,
und ich sage Dir, wer Du bist.

 

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Wahljahr 2017: Wer schafft endlich die 16 Landes-Schulministerien ab …

… und macht Bildungs-N√§gel mit K√∂pfen?

 

Die Lobby ist gro√ü, die Lobby ist m√§chtig. Das gilt f√ľr die Pharma-,¬†die Automobilindustrie … und f√ľr die Bildungsindustrie.

Nur,¬†w√§hrend inzwischen¬†dem letzten Deppen klar geworden ist, dass immer mehr Autos und Pillen uns nicht gl√ľcklicher machen, ist es beim Thema Bildung v√∂llig anders. Nur¬†wenige unter den Eltern/Abiturienten/Studierenden scheinen begriffen zu haben (wegen mangelnder¬†Bildung?), dass¬†unsere sechzehn deutschen L√§nder-Bildungssysteme insgesamt¬†eine Effizienz erreichen, die ungef√§hr einem Sechzehntel von dem entspricht, was ein einziges Bundes-Bildungssystem – kompakt, gerecht, aus einem Guss – leisten k√∂nnte.

Diese zig Millionen Eltern/Abiturienten/Studenten sind alle wahlberechtigt im Wahljahr 2017. Aber nichts passiert. Schweigen der Lämmer. Diese Lämmer haben genug zu tun mit Burka-Gedöns und drohendem Korea-Nuklearkrieg. Tut mir leid, Freunde, aber ich lasse mich nicht so schnell ablenken. Ich stelle die Frage: Welche deutsche Partei fordert in ihrem Wahlprogramm ein Ende des Bildungsföderalismus?

Es wird sie wohl noch weitere 68 Jahre geben Рdie Kulturhoheit der Länder, diesen Unforced Error in unserer Verfassung, der immer mehr Milliarden verschlingt und immer weniger Bildungsgerechtigkeit schafft.

Auch der¬†aktuelle SPIEGEL-Titel „Gl√ľcksspiel ABITUR“ wird daran nichts √§ndern. Zu viele L√§mmer. Keine Partei hat den Mumm, sich mit dem Kartell der Bildungsbeamten und¬†Schulb√ľrokraten anzulegen. Was f√ľr jedes Spielkasino gilt, ist auch die Regel Nr. 1 im Bildungs-Roulette:

Die Bank gewinnt immer.

Na, dann weiterhin viel Spaß beim Spielen. Und beim Schweigen.

 

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Offener Brief an Martin Schulz

Bad Neuenahr, 24. April 2017

 

1. Warum ich in die SPD eingetreten bin

2. K√∂nigsweg statt Abiturwahn¬†(FOCUS-Online: ‚ÄěKostenlose Bildung.¬†Schulz-Plan w√ľrde Deutschland f√ľnf Milliarden im Jahr kosten‚Äú, 14.04.2017)

 

Lieber Martin,

vor gut sieben Wochen bin ich zusammen mit meiner Frau in die SPD eingetreten. F√ľr mich war es kein Neubeginn. In der Willy-Brandt-Zeit¬†war¬†ich Juso-Chef in Bergheim/Erft. Irgendwann¬†bin ich aus der SPD ausgetreten. Es war nicht mehr meine Partei.

Dass ich jetzt wieder mitmache, hat in erster Linie etwas mit Dir zu tun. Aber auch damit, dass mein Vater Sozialdemokrat war, ebenso mein Großvater Kaspar Scheurer, der vor fast hundert Jahren als Kölner Fabrikarbeiter in Berlin dabei war, als Philipp Scheidemann die deutsche Republik ausrief.

Und nun zur aktuellen Lage. Die SPD steht f√ľr Gerechtigkeit ‚Äď das ist der Kern Deiner Botschaft. Aber ‚Äěkostenlose Bildung‚Äú von der Kita bis zur Uni (laut¬†FOCUS,¬†14.04.2017) ‚Äď das ist nicht gerecht, das ist Mumpitz. Geb√ľhrenfreie Kitas sind f√ľr mich in Ordnung. Aber die Kosten bleiben; f√ľr sie kommt dann halt der Steuerzahler auf, wie bei den Schulen und Unis. F√ľr 11 Millio¬≠nen Sch√ľler und mittlerweile fast 3 Millionen (!) Studie¬≠rende sind rund 100 Milliar¬≠den Euro j√§hrlich zu erwirtschaften ‚Äď auch z. B. von Zwanzigj√§hrigen, die nicht von Beruf Sch√ľler sind, sondern Tischler oder Metallbauer. Solche Leute mit Gesellenbrief f√ľhre ich als Mathematiklehrer in neun Monaten (!) zum Fachabitur. Von allen Sch√ľlern und Studenten, die ich je unterrichtet habe, sind sie die besten ‚Äď menschlich und fachlich.

Du bist diesen¬†K√∂nigsweg¬†gegangen, Martin: fr√ľher Einstieg ins Berufsleben und dann gezielte Fortbildung ‚Äď √ľber IHK oder Fachoberschule / Hochschule.¬†Ich w√ľnsche mir eine SPD, die den Abiturwahn been¬≠det und dadurch¬†15 Milliarden Euro pro Jahr einspart,¬†statt weitere Milliarden zu ver¬≠geuden f√ľr Langzeitsch√ľler, die mit zwanzig immer noch nicht richtig lesen, schreiben und rechnen k√∂nnen. Einen Teil des Ersparten k√∂nnte man sinnvoll reinvestieren. Wie das zu machen ist, steht in meinem Buch ‚ÄěZu viel Schule, zu dumm f√ľrs Leben‚Äú. Ein Exemplar davon m√ľsste inzwi¬≠schen bei Dir gelandet sein. Da Du momentan wenig Zeit hast: Auf YouTube gibt‚Äôs eine Kurzfassung.

Herzliche Gr√ľ√üe aus Bad Neuenahr

Bernhard

 

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Bertrand Russell: Denken ist umst√ľrzlerisch

Vor ein paar Tagen stie√ü ich auf das¬†folgende¬†Zitat, das seit vielen Jahren zu meiner Sammlung¬†von Spr√ľchen und Aphorismen geh√∂rt:

Die Menschen f√ľrchten das Denken wie nichts anderes in der Welt. Denken ist umst√ľrzlerisch und revolution√§r, zerst√∂rend und erschreckend, erbarmungslos gegen Privilegien, festgesetzte Institutionen und bequeme Gebr√§uche.

Worte wie in Marmor¬†gemei√üelt. Der Autor ist¬†kein geringerer als Bertrand Russell, einer der gr√∂√üten Denker des vorigen Jahrhunderts. Er liebte die Philosophie, die Logik, die Mathematik. Und letzteres bedeutet – was nur wenigen bekannt ist – w√∂rtlich √ľbersetzt: die¬†Kunst des Lernens¬†oder das Handwerk der Wissenschaft.

Russell hat sich unter anderem auch intensiv mit Politik und Pädagogik beschäftigt:

Freies Fragen wird verhindert werden, solange es Ziel der Erziehung ist, √úberzeugungen statt Denken hervorzubringen.

Zum Abschluss eines meiner Lieblingszitate zum Thema Erziehung:

Die meisten Anstrengungen der Eltern, ihren Kindern gute Manieren beizubringen, scheitern daran, dass die Kinder in einem nat√ľrlichen Trieb alles nachmachen, was sie ihre Eltern tun sehen.

 

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„K√∂nigsweg“ – ein Begriff setzt sich durch.

Heute möchte ich mich einmal bedanken Рbei all denen, die mich zitieren. Sei es bewusst oder unbewusst, sei es mit oder ohne Quellenangabe :-).

Juristisch ist alles ganz einfach: W√∂rter wie Projektintelligenz, Projektf√§higkeit, Projektmensch oder Projektarchetypen – alles Begriffe, die ich mir vor¬†Jahren f√ľr ein Buch oder einen Artikel ausgedacht habe –¬†lassen sich nicht sch√ľtzen.

Ich sehe es mit heiterer Gelassenheit, dass¬†ich hier und da „beklaut“ werde.¬†Bekanntlich¬†werden selten Dinge gestohlen, die ohne Wert¬†sind. Auch¬†wenn¬†ich ohne Nennung meines Namens oder falsch zitiert werde, bleibe¬†ich ziemlich entspannt, solange es¬†nicht unter die G√ľrtellinie geht. Und bei „Abiturwahn“ beispielsweise – von mir im Untertitel von „Zu viel Schule“ verwendet – w√ľsste ich selbst nicht, wen ich als Urheber angeben sollte.

Besonders erfreulich finde ich, dass in letzter Zeit der altbekannte Begriff „K√∂nigsweg“ immer h√§ufiger so verwendet wird, wie ich es seit mehr als f√ľnf Jahren tue:¬†als¬†Bezeichnung f√ľr den

fr√ľhzeitigen Abschluss einer dualen¬†Berufsausbildung – vor dem Studium oder sogar vor dem Abitur.

Also, nochmals herzlichen Dank an alle Autor_innen, Schulleiter_innen (insbesondere¬†BK Hennef sowie¬†BBS Bad Neuenahr) und Bildungsfachleute. Auf dass der K√∂nigsweg-Begriff¬†in immer mehr¬†K√∂pfen verankert werde.¬†Nur so kann eine neue Sicht der Dinge entstehen. Und vielleicht irgendwann¬†ein besseres, Sch√ľler-gerechteres Bildungssystem in Deutschland.

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